Waschen [1]

[395] Waschen (hierzu Tafel »Dampfwäscherei« mit Text), Reinigen der Wäsche, eine Arbeit, die durch rationelles Verfahren wesentlich erleichtert und so gestaltet werden kann, daß die Wäsche weniger leidet als unter den gewöhnlichen Manipulationen. Langes Aufbewahren der gebrauchten Wäsche ist unzweckmäßig, weil die verunreinigenden Stoffe faulen und dabei auch die Faser angreifen. Das zum W. dienende Wasser muß weich, möglichst kalkfrei sein; am besten ist Regen- oder Flußwasser, doch kann hartes Brunnenwasser sehr leicht weich gemacht werden. Neben der Seife benutzt man zur Erhöhung der Wirkung Soda, die aber stets nur in Lösung verwendet, niemals (namentlich nicht kalzinierte Soda) zwischen die Wäsche gestreut werden darf. Vor dem W. wird die Wäsche zwölf Stunden mit sodahaltigem, warmem, aber nie kochendem Wasser eingeweicht. Auf 100 kg Wäsche nimmt man 150 kg Wasser und 4,5 kg kristallisierte Soda. Sehr vorteilhaft schüttelt man 50 g Ammoniakgeist und 100 g Terpentinöl gut zusammen, gießt die Mischung in warmes Wasser, das auf einen Eimer 500 g Seife gelöst enthält, und steckt dann so schnell wie möglich die Wäsche hinein. Letztere muß mindestens 5 cm hoch vom Wasser bedeckt werden. Die weitern Manipulationen werden nach Gewohnheit verschieden ausgeführt; beim Kochen der gewaschenen Wäsche soll man aber die Seife nicht in Stücken zwischen die Wäsche werfen, sondern zunächst die Seife in kochendem Wasser lösen und die Lösung mit dem[395] Wasser mischen. Auch hier kann man 2 kg Soda auf 100 kg Wäsche hinzufügen. Beim Spülen oder Schweifen benutzt man die Wäschwringmaschine, die kräftiger und doch zarter arbeitet als die Hand. Sie besitzt zwei mit Kautschuk überzogene Walzen, die durch Federn oder Kautschukringe gegeneinander gedrückt werden und die Wäsche, die glatt zwischen ihnen hindurchgeführt wird, sehr gleichmäßig entwässern. Soll die Wäsche gebleicht werden, und ist Rasenbleiche nicht anwendbar, so bringt man sie nach sorgfältigem Spülen und Wringen in klares Wasser, das etwas Eau de Javelle enthält. Nach dem Bleichbade spült man in mit Schwefelsäure ganz schwach angesäuertem und dann sehr sorgfältig wiederholt in reinem Wasser. Handelt es sich nur um Entfernung eines grauen Tones der Wäsche, so mischt man 1 Eßlöffel Terpentinöl mit 3 Eßlöffeln Spiritus, gießt hiervon 1 Eßlöffel in einen Eimer Wasser, spült darin die Wäsche und trocknet im Freien, am besten bei Sonnenschein. Die Wäsche wird sehr weiß und geruchlos. Gelblichen Ton sucht man in der Regel durch Bläuen der Wäsche (Indigkarmin, Ultramarin, Teerfarben) zu verdecken. Zum Rollen oder Mangeln der Wäsche dienen Maschinen, die im wesentlichen aus zwei übereinander liegenden hölzernen Walzen bestehen, die durch Hebel gegeneinander gepreßt und durch eine Kurbel bewegt werden (s. Mange). Wollene Wäsche weicht man mit milder Seife, eventuell mit Zusatz von Ammoniak (nicht Soda) ein. Heißes Wasser ist zu vermeiden, weil die Wolle darin einläuft. Statt der gewöhnlichen Ausführung der Wäsche mit der Hand, wobei auch wohl ein Waschbrett (s. d.) angewendet wird, benutzt man auch Waschmaschinen (s. d.).

Bei der Dampfwäscherei, welche die Gewebe sehr wenig angreift, wird die Wäsche mit Seifen- und Sodalösung eingeweicht, ausgerungen und in das Dampffaß gelegt. Dies besitzt einen doppelten Boden und wird in der Weise gefüllt, daß man Stäbe in die Löcher des obern Bodens steckt, die Wäsche einpackt, dann die Stäbe herauszieht und eine letzte Schicht Wäsche folgen läßt. Durch die Kanäle, die sich an Stelle der Stöcke gebildet haben, streicht der Dampf, der durch ein Rohr zugeleitet wird, und durchdringt die Wäsche vollständig. Während des Dämpfens ist das Faß durch einen Deckel geschlossen, an einem Thermometer erkennt man die Temperatur, und wenn diese nach etwa zwei Stunden überall auf 100° gestiegen ist, so beendet man die Operation und reinigt die Wäsche mit sehr geringer Mühe entweder nach der gewöhnlichen Methode oder in Waschmaschinen. Man benutzt auch Kochtöpfe (Katarakttöpfe) mit einem Röhrensystem, in dem das am Boden des Topfes zum Kochen erhitzte Wasser durch Dampfdruck gehoben wird, so daß es sich oben auf die Wäsche ergießt und wieder herabsickert, um von neuem erhitzt und gehoben zu werden. Durch gebrauchte Wäsche von Kranken können Infektionskrankheiten übertragen werden. Solche Wäsche muß sofort, nachdem sie abgelegt worden, in eine desinfizierende Flüssigkeit, am einfachsten in heiße 5 proz. Lösung von Schmierseife gebracht und alsbald gewaschen werden.

Flecke in der Wäsche können oft, solange sie frisch sind, ohne eine Spur zu hinterlassen, beseitigt werden, während sie nach längerer Zeit häufig unvertilgbar sind. Rote Säureflecke auf schwarzem Tuche verschwinden z. B. bei sofortigem Betupfen mit Ammoniak augenblicklich, während nach mehreren Tagen die Farbe zerstört ist und nicht wieder hergestellt werden kann. Flecke, die durch Alkalien hervorgebracht sind, vertilgt man durch Betupfen mit verdünnter Essigsäure, Schwefelsäure oder Kleesäure. In allen Fällen müssen die mit Chemikalien behandelten Stellen mit reinem Wasser fleißig nachgespült werden. Stets (mit Ausnahme der Fettflecke) ist es vorteilhaft, den Stoff einige Stunden in Wasser einzuweichen und dann erst das Fleckmittel anzuwenden. Bierflecke werden mit reinem Wasser behandelt und dann mit alkalischen oder bleichenden Mitteln entfernt; Blutflecke löst man mit lauem Wasser und etwas Ammoniak; auf farbigen Stoffen ist Eisessig vorzuziehen. Fettflecke entfernt man durch Reiben und Betupfen mit Benzin, aus dicken Stoffen durch Aufstreuen von Bolus und Erhitzen des letztern mit einem Bügeleisen. Sehr gut wirkt Benzinmagnesia, ein krümelnder Brei von Magnesia mit Benzin, den man dick aufstreicht und mit einer Glasplatte bedeckt, die mit einem Stein oder Gewicht beschwert wird (s. unten). Schokoladeflecke behandelt man zuerst wie Fettflecke und wäscht sie dann mit Seife, Soda oder Eidotter aus. Firnis- und Harzflecke weichen dem Terpentinöl oder einer Mischung desselben mit Äther. Fleischbrühflecke behandelt man erst mit Benzin, dann mit reinem Wasser, Alkohol oder Salmiakgeist. Grasflecke weichen den alkalischen Flüssigkeiten oder, wenn sie älter sind, bleichenden Fleckmitteln. Kotflecke werden durch Reiben, Wasser und, wenn die Farbe gelitten hat, durch schwache Säuren entfernt. Moderflecke weichen nach mehrmaligem Befeuchten mit verdünntem Salmiakgeist, besonders aus Seide. Stockflecke verschwinden nach dem Behandeln mit einer Lösung von 30 g phosphorsaurem Natron in 0,5 Lit. Wasser, die mehrere Stunden, oft 1–2 Tage, einwirken muß. Obstflecke entfernt man mit Wasser und Eau de Javelle. Frische Ölfarbenflecke werden mit einer Mischung von Terpentinöl und Äther entfernt. Rostflecke belegt man mit gepulverter Kleesäure, befeuchtet diese und spült nach einiger Zeit. Alte Rostflecke behandelt man mit einer mit Zuckersäure gesättigten 10 proz. Essigsäure. Weichen die Flecke hierbei nicht sogleich, so trägt man die Flüssigkeit mittels eines Schlüssels auf den Fleck und reibt vorsichtig. Rotweinflecke tilgt man mit Wasser und Eau de Javelle oder Schwefliger Säure. Sauceflecke werden zuerst mit Benzin entfettet, dann mit Kleesäure und zuletzt mit Ammoniak behandelt. Teerflecke entfernt man mit einer Mischung von Benzin und Alkohol, oder man bürstet sie mit Tetrachlorkohlenstoff und behandelt sie dann mit Benzin. Wagenschmierflecke werden mit Benzin, dann mit Kleesäure und zuletzt mit Seife behandelt. Tintenflecke müssen gut eingewässert und dann mit Kleesäure behandelt werden; zuletzt bleicht man mit übermangansaurem Kali. Alizarintinte weicht viel schwieriger; man behandelt den Fleck zuerst mit Wasser, bestreut ihn mit gepulverter Weinsäure, feuchtet diese an, spült nach längerer Zeit und behandelt den grau gewordenen Fleck mit Eau de Javelle.

Die chemisch-trockene Reinigung benutzt Benzin, das Fette löst, aber die zartesten Farben nicht verändert. Da die meisten Verunreinigungen der Gewebe aus Staub bestehen, der durch Fett oder fettähnliche Stoffe darauf klebt, so wird durch Auflösen des Fettes der Staub beweglich und eine vollkommene Reinigung erzielt. Dabei gehen die Stoffe aus dieser Behandlung wie neu hervor, weil selbst der bei der Appretur durch Pressen etc. hervorgebrachte Effekt nicht verloren geht. Im kleinen kann man seidene Halstücher od. dgl. auf einem Teller mit Benzin waschen[396] und dann mit reinem Benzin spülen. Bänder und andre kleine Gegenstände wirft man in eine Flasche, die Benzin enthält, läßt sie darin einige Zeit verweilen und spült sie in reinem Benzin. In den Waschanstalten arbeitet man mit Benzin, das durch einen Zusatz von ölsaurem Alkali, einer in Benzin, nicht in Wasser löslichen Seife (Marienhöher Saponin), größeres Lösungsvermögen für Fette, Wascheigenschaft (wie Wasser durch Seife) und größere Aufnahmefähigkeit von Wasser erhalten hat. Die Seife nimmt dem Benzin auch die leichte elektrische Erregbarkeit durch das Reiben mit Wolle oder Seide, die wiederholt Explosionen hervorgebracht hat. Als Antiëlektrikum wird auch ölsaure Magnesia (Richterol) benutzt. Die zu reinigenden Sachen werden je nach ihrer Beschaffenheit mit Saponinlösung angebürstet und dann mit saponinhaltigem Benzin in intermittierend nach vorn und rückwärts rotierenden Trommeln geschüttelt, dann in reinem Benzin wiederholt gespült, geschleudert und gelüstet. Das schmutzige Benzin wird durch Destillation wieder gebrauchsfähig gemacht. Die soweit gereinigten Sachen unterliegen zuletzt der Detachur, d. h. einer geeigneten Behandlung, um Flecke, die durch in Benzin unlösliche Stoffe hervorgebracht werden, zu entfernen. Bisweilen werden auch mit Benzin behandelte, aber nicht sauber gewordene Stoffe (besonders Baumwolle) nachträglich einer Naßwäsche unterworfen. Vgl. Sternberg, Praktischer Lehrgang der Wäscherei (Hamb. 1885), Schlichting. Katechismus der Wäschebehandlung (Wien 1890); Radeck, Die Behandlung der Wäsche (6. Aufl., Freib. i. Schl. 1907); Stiefel, Die Dampfwäscherei (Wien 1899); »Handbuch der modernen Dampfwäscherei« (Berl. 1900); Felsberg, Die Kunstwäscherei in der Haushaltung (7. Aufl., das. 1902); Joclet, Die Kunst- und Feinwäscherei (4. Aufl., Wien 1905); Roggenhofer, Die Wäscherei in ihrem ganzen Umfange (Wittenb. 1903); Richter, Die Benzinbrände in den chemischen Waschanstalten (Berl. 1893) und Über Benzinbrände (aus der »Deutschen Färberzeitung«, Münch. 1904); Erich, Praktische Erfahrungen bei Anlage und Betrieb von Dampfwäschereien (Halle 1905); Vogt, Die Wäscherei im Klein-, Neben- und Großbetrieb (Hannov. 1907); »Internationale Wäschereizeitung« (Berl., seit 1898); »Internationales Wäscherei-Zentralblatt« (Götting., seit 1902).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 395-397.
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