Martin [2]

[365] Martin, Name von drei Päpsten: 1) M. I., Heiliger, 649–655, geb. zu Todi in Toskana, hielt das erste Laterankonzil gegen die Monotheleten, weshalb ihn Kaiser Constans II. 653 von Rom wegführen, nach Konstantinopel bringen, wegen Hochverrats verurteilen ließ und im März 654 (oder 655) nach Cherson verbann le, wo M. 16. Sept. 655 starb. Sein Tag ist bei den Griechen der 11. April, bei den Römern der 12. November.

2) M. IV. (mit dieser Zahl bezeichnet, weil der Name der beiden Marinus [s. d.] mit dem seinigen identifiziert wurde), 1281–85, de Brie, vorher Simon, aus einem Adelsgeschlecht der Touraine, war Schatzmeister des Erzbistums Tours, wurde 1260 Kanzler Ludwigs IX. von Frankreich, 1261 Kardinal und 1281 zum Papst gewählt. Seine Politik war ganz abhängig von der Karls von Anjou, der ihm die Tiara verschafft hatte. Gegen die Deutschen hegte er wilden Haß und trat den Wünschen Rudolfs von Habsburg, die Kaiserkrone zu erwerben, entgegen. Er starb 28. März 1285 in Perugia. Vgl. »Les registres de M. IV« (Par. 1901 ff.).

3) M. V., 1417–31, vorher Otto Colonna, ward unter Innozenz V. 1405 Kardinal und auf dem Konzil zu Konstanz 11. Nov. 1417 zum Papst erwählt. Die vor seiner Ernennung von ihm zugesagte Reformation der Kirche beschränkte er auf die Beseitigung einiger unwesentlicher Mißbräuche und schloß mit Deutschland, Frankreich und England besondere Konkordate, die jedoch nicht zur Ausführung kamen. Am 19. April 1418 löste er das Konzil auf und berief 1423 ein neues nach Pavia, das nach einigen Monaten nach Siena verlegt und 1424 auf sieben Jahre vertagt wurde. Im Kirchenstaat stellte er nach Überwindung vieler Schwierigkeiten seine Autorität her; in Rom entwickelte er eine bedeutende Bautätigkeit und ließ insbes. die Laterankirche restaurieren. Nachdem er 1. Febr. 1431 das neue Konzil nach Basel berufen, starb er 20. Febr. 1431. Vgl. Pastor, Geschichte der Päpste, Bd. 1 (4. Aufl., Freib. 1901); Haller, England und Rom unter M. V. (Rom 1905).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 365.
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