Mingrelĭen

[873] Mingrelĭen (Mingreul, »Land der tausend Quellen«), ehemals selbständiges Fürstentum in Kaukasien (s. Karte »Kaukasien«), am Schwarzen Meer, zwischen Abchasien (im N.) und dem Fluß Rion (im S.), gehörte später zu Persien, fiel 1804 an Rußland und bildet seit 1867 einen Teil des russisch-kaukas. Gouv. Kutais (die Kreise Sugdidi, Senaki und Letschgum). Das Land ist gebirgig, im S. morastig. Die Fruchtbarkeit des Bodens bei hoher Temperatur und feuchter Luft gewährt einen außerordentlichen Vegetationsreichtum. Hauptprodukte sind: Getreide, Mais, Baumwolle, Tabak, Wein, Öl, Hirse, Holz, Seide, Honig, Pferde. Eisenerz wird gebrochen. Die (1902) 241,000 Köpfe starken griechisch-katholischen Mingrelier (auch Kadzariai) bewohnen M., Odischi und Gurien am Schwarzen Meer. Nach Sprache und Sitte sind sie ihren Nachbarn, den Georgiern und Swaneten, verwandt, aber sehr träge. – M. ist das Kolchis der Alten, bildete dann ein Stück von Georgien und ward bei der Teilung (1241) zu Imerethi geschlagen. Die Könige von Georgien ließen das Land durch Gouverneure verwalten, deren einer, Giorgi aus der Familie Dadian, sich um 1323 unabhängig machte und Stammvater der nachherigen Fürsten (Dadiane) von M. wurde, die bis 1694 über M. herrschten. Der ehemalige Zar von M. führte den Titel »Fürst des Schwarzen Meeres«. Seine Residenz war Isgaur oder Iskuriah (das alte Dioskurias) am Schwarzen Meer, zugleich der Haupthandelsplatz des Landes. Vgl. Radde, Reisen im mingrelischen Hochgebirge (Tiflis 1866); v. Erckert, Der Kaukasus und seine Völker (Leipz. 1887).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 873.
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