Paganĭen

[305] Paganĭen (slaw. Pogania), altserbisches Fürstentum, das sich in Südbosnien (Herzegowina) und Dalmatien vom Golfe von Stagno bis zur Mündung der Cettina ausbreitete und die Inseln Brazza, Lesina, Curzola und Meleda mitumfaßte. Bewohnt war es von den südserbischen, nach dem Flusse Narenta (Neretva) benannten Narentanern (Neretvanern), die wegen ihrer langen Abneigung gegen das Christentum auch Paganen (paganus, der Heide) hießen, während sich die stammverwandten Fürstentümer Zeta (Duklja), Travunien und Zachlumien rascher der griechischen Kirche anschlossen. Durch fortgesetzte Seeräubereien machten sich die wilden Narentaner im 9. Jahrh. selbst Venedig gefährlich, namentlich seitdem 18. Sept. 887 dessen Doge Pietro Candiano I. bei Macarsca (Punta Mica) gegen sie gefallen war. Bis gegen das Jahr 1000 entrichtete Venedig Tribut an P., das, nach seiner Bekehrung auch Rama genannt, um 1175 in dem von Zeta ausgehenden serbischen Einheitsstaate Stephan Nemanjas ausging. Von Istok, einem nach Polen geflüchteten Sohn des letzten Fürsten von P., leiten die drei polnischen Adelsgeschlechter Pliszcza ihren Ursprung her, deren einem auch Potemkin (s. d.) angehört. Vgl. Milkowicz im 5. Band von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1905).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 305.
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