Podewils

[58] Podewils, 1) Heinrich, Graf von, preuß. Minister, geb. 3. Okt. 1695 in Pommern, gest. 29. Juli 1760, seit 1720 in höhern Staatsämtern tätig, zuletzt Gesandter in Stockholm, ward 1730 auf Betreiben seines Oheims und Schwiegervaters v. Grumbkow mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt. Er leistete besonders Friedrich II. 1740 bis 1760 große Dienste, begleitete den König in den ersten und zweiten Schlesischen Krieg, ward in allen Fragen der auswärtigen Politik zu Rate gezogen, arbeitete zahlreiche Gutachten aus, stand mit dem König in lebhafter Korrespondenz, sprach seine Meinungen offen aus und wies ungerechte Vorwürfe des Monarchen entschieden zurück. Er schloß 1742 den Breslauer, 1745 den Dresdener Frieden ab, war bei des Königs historischen Arbeiten, besonders den »Mémoires de Brandebourg«, mit tätig und wurde 1741 Graf. – Sein Neffe, Graf Otto Christoph, geb. 16. April 1719, gest. 12. März 1781 in Gusow, seit 1741 ebenfalls Graf, ward Legationsrat in Petersburg, 1741 Gesandter im Haag und 1746 mit dem Rang eines Staatsministers Gesandter in Wien. 1751 zog er sich auf seine Besitzung Gusow zurück.

2) Philipp, Freiherr von, Gewehrtechniker, geb. 15. Mai 1809 in Amberg, gest. daselbst 25. Nov. 1885, trat 1825 in ein bayrisches Artillerieregiment, wurde 1830 Unterleutnant und widmete sich seit 1836 der Waffentechnik. Er leitete seit 1853 die Gewehrfabrik in Amberg und trat 1876 als Generalleutnant, in den Ruhestand. Er konstruierte einen gezogenen Vorderlader mit Expansionsgeschoß (M/58), der in Bayern etc. eingeführt wurde, und wandelte denselben 1868 zum Hinterlader um.

3) Klemens Hans Konstantin, Freiherr von P.-Dürnitz, bayr. Staatsmann, geb. 17. Jan. 1850 als Sohn des Kommandeurs von Germersheim, Neffe von P. 2), besuchte die Pagerie in München, bestand 1875 das juristische Staatsexamen, wurde 1880 aus der Stellung eines Akzessisten bei der königlichen Regierung von Oberbayern in das Ministerium des Äußern berufen, legte bald darauf das diplomatische Examen ab, wurde 1881 Legationssekretär in Berlin, 1886 Legationsrat und Anfang 1887 Bevollmächtigter zum Bundesrat. Ende desselben Jahres wurde er bayrischer Gesandter in Rom, 1895 bis 1902 war er, seit 1899 als Staatsrat, Gesandter in Wien. 1902 zum bayrischen Kultusminister ernannt, übernahm er 1903 nach dem Rücktritt v. Crailsheims das Ministerium des Äußern und des königlichen Hauses und wurde zugleich Ministerpräsident. – P. entstammt demselben pommerschen Geschlecht wie P. 1), doch ist der Zweig, dem er angehört, seit 1611 in der Oberpfalz ansässig und katholisch.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 58.
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