Süß Oppenheimer

[216] Süß Oppenheimer, Joseph, berüchtigter württemberg. Finanzminister, ein Jude, geb. 1698 in Heidelberg, widmete sich dem Handelsstand, reiste viel, arbeitete für den kurpfälzischen und Darmstädter Hof und trat 1732 durch verschiedene Geldgeschäfte mit dem katholischen Prinzen (seit Dezember 1733 Herzog) Karl Alexander von Württemberg in Verbindung, der ihm die Direktion des Münzwesens übertrug und ihn 1735 zum Geheimen Finanzrat und 1736 zum Kabinettsfiskal erhob. Obwohl nicht Staatsbeamter, besaß S. einen großen Einfluß auf den Herzog und hatte den Auftrag, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Dies war nur möglich unter starker Bedrückung der Untertanen, und deren Groll richtete sich, obwohl S. nur den Willen seines Herrn ausführte und dabei durch viele Staatsbeamte unterstützt wurde, gegen den jüdischen Finanzmann. Nach dem plötzlichen Tode des Herzogs (12. März 1737) wurde er verhaftet, vor ein Gericht gestellt und als Staatsverbrecher in seinem Staatsgewand 4. Febr. 1738 in einem besondern Käfig aufgehängt. Hauff machte sein Leben zum Gegenstand einer Novelle (»Jud Süß«). Vgl. M. Zimmermann, Joseph Süß Oppenheimer (Stuttg. 1874).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 216.
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