Saltyków

[489] Saltyków (spr. ßal-), Michail Jewgrafowitsch, unter dem Pseudonym N. Schtschedrin bekannter russ. Satiriker, geb. 27. (15.) Jan. 1826 in einem Dorfe des Kreises Kaljasin (Gouv. Twer) als Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers, gest. 12. Mai (30. April) 1889 in St. Petersburg, besuchte 1838–44 das Lyzeum in Zarskoje Selo und ließ bereits damals Gedichte im Druck erscheinen. Nachdem er 1844 zu St. Petersburg in den Staatsdienst getreten, wurde er infolge einiger satirischer Erzählungen 1848 nach Wjatka verwiesen, wo er bei der Gouvernementsverwaltung beschäftigt wurde und so lange blieb, bis ihm die Thronbesteigung Alexanders II. 1855 Begnadigung brachte. Nach wenigen Jahren verließ S. mit dem Rang eines Wirklichen Staatsrats den Staatsdienst und widmete sich seitdem ganz der politischen Satire, zuerst im »Sovremennik« (»Zeitgenossen«), dann in den von ihm mitredigierten »Otečestvennye zapiski« (»Vaterländischen Blättern«), bis diese 1884 aufgehoben wurden. Sein erstes Werk, das seinen Namen in ganz Rußland populär machte, waren die »Skizzen aus der Provinz« (1856). Dann folgte eine lange Reihe von Skizzen, unter denen die »Satiren in Prosa« und »Unschuldige Geschichten« (1863), »Die Zeichen der Zeit« und »Briefe aus der Provinz« (1869), »Tagebuch eines Kleinstädters in St. Petersburg«, »Die Herren Taschkenter«, »Männliche und weibliche Pompadours«, »Gutgesinnte Reden« (1876), »Die Zuflucht Monrepos«, »Jenseit der Grenzlinie«, »Briefe an meine Tante«, »Eine zeitgenössische Idylle«, »Erzählungen aus Poschechonien (das russische Abdera)«, »Bunte Briefe« (1884 bis 1886), »Kleinlichkeiten des Lebens« (1887; deutsch, Hamb. 1888), 23 Märchen (1887) und »Die Poschechonische alte Zeit« (1889) als die bedeutendsten hervorzuheben sind. Rein novellistischer Art ist die Erzählung »Die Herren Golowljew« (deutsch in Reclams Universal-Bibliothek). Wie jede echte Satire, so ist auch Saltykows Satire gewissermaßen mit dem Blute seines Herzens geschrieben; er will seinem Vaterland durch Offenbarung des Bösen, der Lüge und des Lasters dienen. Schlagender Witz und originelle Erfindung halten bei ihm stets gleichen Schritt. Infolge der russischen Preßverhältnisse sieht sich der Dichter oft genötigt, eine allegorische Sprache zu reden, die seinen Lesern jedoch nicht weniger verständlich ist. Dem Übersetzer aber bieten Saltykows Satiren fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in Petersburg 1900 in 12 Bänden.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 489.
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