Soma [1]

[587] Soma, in den Hymnen des Veda ursprünglich ein berauschender, mit Milch und Mehl gemischter und einige Zeit der Gärung überlassener Pflanzensaft, der eine begeisternde und heilende Wirkung auf Menschen und Götter übt (Indra stärkt sich mit S. zum Dämonenkampf). Die Somapflanze (Soma-Lata), deren blattlose oder entblätterte Stengel unter Hymnengesang ausgepreßt wurden, und die dem heiligen Getränk wahrscheinlich nur als Würze diente, glaubte[587] man in Sarcostemma acidum oder Calotropis gigantea zu erkennen. Joseph Bornmüller hat indes festgestellt, daß die indischen Parsen Ephedra vulgaris aus Persien beziehen, und daß dies daher die heilige Haomapflanze der Iranier sei, die immer mit der Somapflanze der Inder für identisch galt. Die begeisternde Macht des Trankes führte bereits in indoiranischer Zeit dazu, den Saft als Gott S. oder Indu zu personifizieren und ihn als einen sich für seine Verehrer opfernden Gott hinzustellen, wodurch sich eine völlige Parallele zur christlichen Abendmahlslehre ausbildete, die in vielen Hymnen des Sâma-Veda gepriesen wird. Diesen Gott S. sucht Hillebrandt, wie schon früher Bergaigne, als den Mondgott nachzuweisen, der allen Pflanzen Saft gibt, in der Somapflanze aber sich besonders verkörpert. Der Vollmond gilt als die von den Göttern bald leer getrunkene Somaschale. In brahmanischer Zeit ist S. einer der Welthüter. Bei den Ostiraniern steht dem Somakulte der ganz analoge Haomakult zur Seite. Vgl. Windischmann, Über den Somakultus der Arier (Münch. 1847); Unger, Die Pflanze als Erregungs- und Betäubungsmittel (Wien 1857); Muir, Original Sanskrit texts (Bd. 2, S. 469 ff., und Bd. 5, S. 258 ff.); Haug, Essays on the sacred language etc. of the Parsis, S. 282 ff. (2. Ausg., Lond. 1878); Lindner, Die Dîkshâ oder Weihe für das Somaopfer (Leipz. 1878); Hovelacque, L'Avesta, S. 272 ff. (Par. 1880); Spiegel, Die arische Periode, S. 168 ff. (Leipz. 1887); M. Müller, Biographies of words, S. 222 ff.; Hillebrandt, Vedische Mythologie, Bd. 1: S. und verwandte Götter (Bresl. 1891); Caland und Henry, L'agnisoma. Description complète de la forme normale du sacrifice de S. dans le culte védique (Par. 1906, Bd. 1).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 587-588.
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