Tartaglia [2]

[330] Tartaglia (spr. -tallja, lat. Tartalea, Familienname Fontana), Niccolò, Mathematiker, geb. in Brescia am Anfang des 16. Jahrh., gest. 14. Dez. 1557, wurde als Kind derart mißhandelt, daß er zeitlebens stotterte, wovon er den Namen T. (der Stotterer) empfing. Er war von 1530 an Lehrer in Verona, Piacenza, Venedig, Mailand und zuletzt wieder in Venedig, kannte bereits den binomischen Lehrsatz für ganze positive Exponenten, behandelte Probleme der Wahrscheinlichkeitsrechnung, nahm zahlreiche Bestimmungen spezifischer Gewichte vor und vervollkommte die Ballistik; hauptsächlich aber ist er nächst Ferro der erste Entdecker der Auflösung der Gleichungen dritten Grades. Cardano (s. d.) kam ihm freilich in der Veröffentlichung der Auflösung zuvor, was einen heftigen Streit mit Cardano und dessen Schüler Ferrari veranlaßte. Tartaglias Hauptwerk: »General trattato de' numeri e misure« (Vened. 1556–60, 3 Bde.), enthält diese Lösung nicht; man findet sie in seinen »Quesiti ed inventioni diverse« (das. 1554). Vgl. Matthiessen, Grundzüge der antiken und modernen Algebra, S. 367 (Leipz. 1878); M. Cantor, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, Bd. 2 (2. Aufl., das. 1900).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 330.
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