Unjamwesi

[928] Unjamwesi (»Mondland«), große Landschaft in Deutsch-Ostafrika (s. Karte »Deutsch-Ostafrika«), südlich vom Victoria Niansa, zwischen 3 und 6° südl. Br., zwischen Uhha (W.) und dem großen Steppengebiet der Wataturu (O.), meist welliges Tafelland (1100–1400 m), aus dem Granit- oder Gneisrücken emporragen. U. ist das Dach Deutsch-Ostafrikas. Nach W. senkt es sich zu sumpfigen Niederungen ab, im S. wird es vom Gombe (Oberlauf des Malagarasi) durchflossen. Das Klima, mit großen und schnellen Gegensätzen, ist für Europäer und Araber sehr unzuträglich. Von Savannen oder lichtem Wald bedeckt, ist U. teilweise ziemlich fruchtbar und erzeugt reichlich Reis, Yams, Bataten, Maniok, auch Weizen, Baumwolle, Tabak, Indigo etc. sowie zahlreiche Baumfrüchte. Die einheimische Tierwelt ist durch die ziemlich starke Bevölkerung sehr gelichtet; Haustiere sind Rinder, Schafe mit Fettschwanz, starke Esel und Hunde. Hauptort ist Tabora (s. d. und Unjanjembe). Die Bewohner, WanjamwesiGrammatik des Kinyamuesi« von Velten, Götting. 1900), sind echte Bantu, gute Ackerbauer, Weber, Eisenschmelzer, verdingen sich gern als Träger (sehr leistungsfähig) bei den Karawanen; diesen schließen sie sich auch als Händler an und haben es oft zu großem Wohlstand gebracht. Früher unter einem Herrscher vereinigt, ist U. jetzt in eine große Zahl von Kleinstaaten zersplittert. Es wird von zahlreichen zum Victoria Niansa gehenden Karawanenstraßen durchzogen, auch haben hier englische und deutsche Missionare Stationen (früher unter dem Schutz des mächtigen Häuptlings Mirambo) angelegt. Als südlichster Teil von U. wird auch wohl Unjanjembe (s. d.) betrachtet. Vgl. die Tafeln »Afrikanische Kultur I«, Fig. 1, 6, 7; »Geräte der Naturvölker I«, Fig. 6; II, Fig. 54; »Rauchgeräte I«, Fig. 15.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 928.
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