Ingelheim [1]

[909] Ingelheim, 1) Oberingelheim, Flecken an der Selz, im Kreise Bingen der großherzoglich hessischen Provinz Rheinhessen; Weinbau (Ingelheimer, guter rother Wein); 2500 Ew.; 1/2 Stunde davon ist 2) Niederingelheim, in demselben Kreise, Überreste des Kaiserpalastes, viel Weinbau; 2200 Ew. – Karl der Große erbaute hier eine Pfalz zwischen 768 u. 774, welche 100 Säulen von Granit u. Marmor stützten. Er hielt hier 774 einen Reichstag, wo Herzog Thassilo II. entsetzt wurde; Ludwig der Fromme empfing hier 817 die Gesandtschaft des Kaisers Leo IV., u. neun Jahre später ließ sich hier der Dänenkönig Harald II. mit Frau u. Kindern taufen; auch viele Kirchenversammlungen wurden daselbst gehalten. Friedrich I. ließ den Palast wieder herstellen; Karl IV. war der letzte, welcher darin wohnte. Öfters wurde es, bes. während des Krieges zwischen Diether von Isenburg u. Adolf von Nassau, von den Mainzern u. 1689 von den Franzosen zerstört. Jetzt sind noch wenige Reste übrig.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 909.
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