Johannisbeeren

[19] Johannisbeeren, 1) Gemeine I., die Beeren des Johannisbeerstrauches (Ribes rubrum), welcher im nördlichen Europa an schattigen Orten in lockerem Boden unter anderen Gesträuchen wild wächst,[19] hier jedoch nur drei bis vier Fuß hoch wird, im Garten aber durch Stecklinge u. Ableger fortgepflanzt, durch Oculiren u. Pfropfen veredelt u. zu kleinen Bäumchen od. an Spalieren gezogen wird. Die Stöcke dürfen nicht zu alt werden, weil sie dann nur kleine u. saure Früchte tragen. Bei sonnigem Stande werden die I. kurz nach Johannis reif. Sie hängen traubenförmig zu 15 od. 16 Stück an Stielen. Die scharlachrothen sind die Norm; allein es gibt auch weiße u. fleischfarbige, auch weiß u. roth gestreifte, u. letztere haben größere Beeren von minder sauerm Geschmack. Die I. sind gesund u. in der heißen Sommerszeit für Gesunde u. Kranke angenehm erfrischend; auch bedient man sich häufig der rothen zum Einmachen, wo sie dann als Compot zum Braten gegessen od. als Füllung von Torten u. Pfannkuchen gebraucht werden; od. man preßt den Saft aus, Johannisbeersaft, woraus dann Johannisbeergelée od. Johannisbeersyrup (letzter als Syrupus ribium rubrorum in Apotheken) od. Johannisbeerwein gemacht wird. Johannisbeeressig wird aus völlig reisen I. u. Weinessig bereitet, an der Sonne zum Gähren gebracht, mit Wein aufgefüllt u. auf Flaschen gezogen. Weiße I. dienen in Haushaltungen, um Flecke von Tinte u. anderen Färbestoffen aus leinenem Zeuge zu entfernen, u. werden wie andere Säuren benutzt; 2) Schwarze I. (Ahl-od. Wanzenbeeren) von Ribes nigrum sind weniger geachtet; der eingedickte Saft (Roob ribium nigrorum) dient als Gurgelwasser bei der Bräune; in Zucker gesotten dienen die Beeren gegen Hals- u. Brustleiden; Beeren u. Blätter dienen auch zur Bereitung eines seinen Liqueurs, letztere gegen Rheumatismus u. Gicht; s.u. Ribes.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 19-20.
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