Sechuana

[723] Sechuana (Setschuana), Sprache der Betschuanen in Südafrika, mit der Bundasprache (s.d.) verwandt, ist sehr vocalreich u. schiebt auch in Fremdwörtern, wo zwei Consonanten zusammenstoßen, einen Vocal dazwischen, z.B. perofeti Profet, periseti Priester. Die Substantiva haben nur eine Form für den Locativ, welcher auf ng endigt, z.B. lehatsi die Erde, lehatsing auf der Erde; andere Casus werden durch die Wortstellung od. durch Präpositionen ausgedrückt. Die Substantiva werden gewöhnlich mit dem Pronomen der dritten Person, welches als Artikel dient, zusammengesetzt: mo, Plur. ba für Personen; se, Plur. li für Sachen, z.B. morutoi der Schüler, Plur. barutoi; selo, das Ding, Plur. lilo. Andere Pluralpräfixe sind bo, ma u. me, z.B. bomorosa die Söhne von moroa; melao die Gesetze von malao; magorn die Diebe von legorn. Das Adjectiv wird dem Substantiv nachgesetzt u. durch den Artikel damit verbunden; es nimmt dann das Präfix des Substantivs an, z.B. mogolu groß, baperiseti ba bagoln die großen od. Hohenpriester, boitumelo bo bogolu die große Freude, lehihi le legolu die große Finsterniß; entscha neu, sebata se sescha der neue Lappen, boyaloa yo boscha, der neue Wein, makuka a mascha die neuen Schläuche. Der Comparativ wird durch die Präposition go od. mo ausgedrückt, zuweilen mit beigefügtem bogolu (groß, sehr). Zahlwörter existiren zwar, z.B. taru drei, enne vier, tlanu fünf, aber sie sind so wenig gebräuchlich, daß man in der Bibelübersetzung vorgezogen hat, die englischen Ausdrücke dafür beizubehalten. Die Pronomina haben eine doppelte Form, je nachdem sie allein od. vor einem Verbum stehen, z.B. na, kia, ki ich, uena, u du, ena, oa, a er. Letzteres verändert sich vielfach nach der Anfangssylbe des Substantivs, auf welches es sich bezieht, z.B. setlare se ungua lounguo der Baum er trägt Frucht; bontsi bo tsena viele sie gehen. Die Wiederholung dieses Pronomen drückt das Relativum aus. Das Possessivum wird, außer durch den Genitiv des persönlichen Pronomens, auch zuweilen durch Suffixe bezeichnet, u. zwar ke für die erste, go für die zweite, gue für die dritte Person. Das Verbum hat ein Präsens, welches wie der Imperativ u. Infinitiv auf a endigt; das Präteritum verwandelt das a in ile od. itse, der Conjunctiv in e, das Particip hängt ng an das Präsens od. Präteritum, der Infinitiv hat die Präposition go vor sich. Im Passiv wird o vor den Endvokal eingeschoben, z.B. a riha er thut, a rihile er that, a rihe er thue, rihang thuend, rihileng gethan, go riha thun, a rihoa es wird gethan, es geschieht, a rihiloe es geschah etc. Das Futurum wird durch das Hülfszeitwort tla, kommen, das Medium durch das Präfix i, welches den nachfolgenden Consonanten mannigfach modificirt, gebildet, z.B. rumela erfreuen, itumela sich freuen. Neben der einfachen Verbalform gibt es noch eine besondere Relativform auf ela, welche die Beziehung auf eine Person od. Sache, für welche etwas geschieht, ausdrückt, z.B. roma schicken, romela schicken nach. Die Wortbildung erfolgt durch Veränderung theils der Endung, theils des Anfangsconsonanten. Bei Substantiven, welche von Verbis abgeleitet sind, bezeichnet die Endung o die Handlung, i den Handelnden: tiho That, Werk, morihi der Arbeiter, von rika thun, arbeiten; puo Sprache von bua sprechen; moruti der Lehrer, morutoi (Pass.) der Schüler, von ruta lehren. Die gewöhnlichsten Präfixe für abgeleitete Substantive sind mo, se, le. Diminutiva werden durch die Endung na gebildet: nguanyana das Kindlein von nguana Kind. Beim Berbum bildet die Endung sa das Causativum, z.B. bonisa sehen machen, erleuchten, iponatsa sich sehen lassen, erscheinen, von bona sehen, itsisa wissen lassen, von itsa wissen. Die Endung ga bildet eine Art Passiv od. Medium, z.B. bula öffnen, bulega, sich öffnen, itsa kennen, itsega bekannt werden, buluka erhalten, bulukega erhalten werden. Der Anfang des Vaterunsers lautet: Rara oa rona, ec kua magorimong, leina ya gago a le itsephisioe d.h. Vater der unser, der dort im- Himmel, Name der deine der werde-geheiligt. Ein etwas abweichender Dialekt ist der der Basuto (Sessuto) Grammatik von I. Archbell, Graham's Town, 1837; vgl. Bukaniane A B C ka puo ea basuto (ABC-Büchlein in der Sprache der Basuto, Kapstadt 1839; Casalis, Etudes sur la langue Séchuana, Par. 1841; über das Sessuto Schrumpf in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft Bd. XVI. S. 448 ff.[723]

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 723-724.
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