Wettermaschinen

[141] Wettermaschinen, Maschinen zur Fortbewegung der Luft, bes. zum Hervorbringen eines Luft- od. Wetterwechsels (s. d) in den Gruben; vgl. Ventilation. Die W. wirken entweder blasend (Wetterblasmaschinen, Windbläser), indem sie frische Luft in die Gruben eintreiben u. dadurch die verdorbene daraus vertreiben; od. gewöhnlicher saugend (Wettersauger), indem sie die verdorbene aussaugen. Einen sehr einfachen Windbläser bietet der Wetterhut; derselbe besteht aus einem trichterförmigen Kasten, welcher auf das äußere Ende einer Röhre aufgesteckt ist, welche mit einer in dem Schacht gehenden Lutte verbunden ist; wird die offene Seite des Trichters nach der Gegend gekehrt, von welcher eben der Wind weht, so treibt dieser frische Luft in den Schacht (vgl. Windfang 3). Die W. bewirken die Fortbewegung der Luft A) mittelst des Wassers, wie beim Schrauben- od. Spiralgebläse (s.u. Spiralpumpe), welches nach seinem Erfinder Cagniard-Latour auch Cagniardelle (vgl. Gebläse B) heißt, ferner beim Paternoster- od. Kettengebläse (s.d.), beim Wassersäulen- u. Wassertrommelgebläse (s.d. a.); B) mittelst eines festen Körpers, welcher entweder wie bei den Kolbengebläsen die Luft unmittelbar zusammendrückt, od. wie bei den Schaufeln Flügelgebläsen durch eine Veränderung im Bewegungszustande der Luft eine Druckänderung erzeugt. Über letztere W. vgl. Ventilator. Ein sehr einfacher Ventilator ist das Wetterrad od. die Wettertrommel; dieselbe enthält in einer 11/2 Fuß langen cylindrischen Trommel von 6 Fuß Durchmesser eine durch die beiden Seitenwände hindurchgehende Welle mit acht Flügeln, welche fast bis an die Trommelwölbung u. an die Seitenflächen reichen; eine Öffnung ist in der Trommelwölbung u. eine zweite in den Seitenflächen; wird die Welle mittelst einer daran befindlichen Kurbel schnell umgedreht, so saugt das Wetterrad die Wetter aus der Grube od. bläst frische Luft in die Grube, je nachdem die in den Schacht geführte Lutte durch eine Ansatzröhre mit den Öffnungen in den Seitenflächen od. in der Trommelwölbung in Verbindung gesetzt wird. Bei den Kolbengebläsen hat der feste Körper entweder eine absetzende geradlinige od. eine absetzende Kreisbewegung od. eine stetige Kreisbewegung, u. sie sind entweder ungelidert od. gelidert, u. zwar entweder durch einen festen od. einen flüssigen Körper. Bei allen ist ein Raum vorhanden, welcher auf der einen Seite durch einen beweglichen Kolben von der äußeren Luft abgeschlossen ist u. zwei Ventile hat, ein nach innen u. ein nach außen sich bewegendes, durch ersteres füllt sich der Raum mit frischer Luft od. Wettern, je nachdem die W. blasend od. saugend wirkt, durch letzteres entleert er sich beim Niedergang des Kolbens. Zu den einfachsten gehören die Balggebläse (vgl. Gebläse c) u. D), Blasebalg); bei dem einfachen u. doppelten ledernen Blasbalg, bei dem hölzernen Balg u. dem Windholmgebläse (s.d.) hat der den Kolben bildende Körper eine absetzende, hin u. her schwingende Kreisbewegung; bei dem Kastenbalg dagegen ist der auf- u. niedergehende Kolben durch einen in Falten gelegten Ledermantel mit dem die Ventile enthaltenden Boden verbunden u. durch Auseinanderziehen u. Zusammenlegen der Falten wird die Luft in den keiner besonderen Liderung bedürfenden inneren Raum eingesogen u. ausgepreßt. Über die Cylinder- u. Kastengebläse s.u. Gebläse A) u. E). Um die Cylindergebläse schneller gehen lassen zu können, gibt man ihnen keine gewöhnlichen Klappventile, sondern versieht sie mit [141] Ventilen od. Schiebern, welche durch einen besonderen Steuerapparat von der Kraftmaschine aus bewegt werden u. sich deshalb schneller öffnen u. schließen als die Klappen; solche Gebläse nennt man Schiebergebläse. Sehr einfach ist der Wetterkasten (s.d.). Mit Wasser gelidert ist der dem Baaderschen Wassergebläse (s. Gebläse B) sehr ähnliche Harzer Wettersatz, bei welchem der auf u. nieder gehende Kolben einen unten offenen Kasten bildet, welcher mit seiner Öffnung in ein weitenes Gefäß eingesetzt ist; letzteres ist mit so viel Wasser gefüllt, daß der Kasten bei seinem höchsten Stande mit seinem unteren Rande noch einige Zoll unter Wasser bleibt; in dem Boden des Gefäßes tritt eine aus der Grube kommende Saugröhre ein u. ist an seiner über dem höchsten Wasserstande liegenden Mündung mit einem Ventile versehen; ein zweites Ventil ist entweder an dem Boden des Kastens od. an einer zweiten zur Abführung der Luft dienenden Röhre; hebt man den Kolben, so saugt er die Grubenluft in den entstehenden leeren Raum, drückt man ihn wieder nieder, so entweicht die Luft durch das zweite Ventil. Eine sehr große derartige von De Vaux construirte Maschine mit zwei Paar aus Blechglocken gebildeten Gefäßen arbeitet auf der Kohlengrube Marihaye zu Seraing bei Lüttich. Auch bei einem Wettersatz läßt sich eine nach Art der Blasbälge schwingende Bewegung anwenden, u. durch die Verbindung von zwei solchen schwingenden Gefäßen zu einem Ganzen erhält man ein doppeltwirkendes Gebläse mit Wasserliderung, ein Tonnengebläse (s.d.). In neuerer Zeit sind auch Gebläse u. W. mit oscillirenden Cylindern nach Art der oscillirenden Dampfmaschinen (s.d. S. 677) construirt worden; mehr in Aufnahme aber sind die den Rotationspumpen ähnlichen rotirenden Kolbengebläse gekommen, zu denen bes. der Ventilator od. das Wetterrad von Fabry gehört; diese W. besteht aus zwei Wellen mit je drei Hauptarmen, welche große Schaufeln tragen u. Querarme haben, deren epicycloidale Enden, ähnlich wie die Zähne zweier Zahnräder, in einander greifen; die so gebildeten beiden Räder laufen nach entgegengesetzten Richtungen gleich schnell um u. liegen in zwei gemauerten Trögen, in welche die fortzuschaffende Luft aus einem Kanale eintritt u. abwechselnd von einer Schaufel des einen u. des anderen Rades fortgeschafft wird. Bei anderen Rotationsgebläsen (z.B. dem des Amerikaners Mackenzie u. bei dem Kolbenrad von Lemielle) ist ein feststehendes cylindrisches Gehäuse mit zwei Zugängen zum Einsaugen u. zum Ausblasen vorhanden, in welchem sich eine excentrische Trommel umdreht, aus welcher Schieber- od. Drehkolben vorstehen, sich immer an die Gehauswand anlegen u. bei der Umdrehung die Luft von der Saugöffnung nach der Blasöffnung hinbewegen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 19. Altenburg 1865, S. 141-142.
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