A

1. Auf A folgt B in unserm Abc.

Bei Martial findet sich das Sprichwort: »Das Alpha (A) gehört zu den Gardisten« (Alpha penulatorum. Erasm., 279). Er nennt es den vorzüglichen, den Primaten des Abc, scherzt, dass man ihn ein Alpha genannt hat und droht, sich Beta (B) zu nennen.


2. De A seggt, mutt ôk B seggen. (Ostfries.)


3. Einer sagt A, der andere B.

Einer setzt fort, was der andere angefangen hat. Auch von denen, die einander nicht verstehen oder nach Willen handeln wollen.


4. Erst A, dann B.


5. Wem du das A gibst, der reicht dir das B.

Eine Gefälligkeit bewirkt die andere.


6. Wenn du A greifst, so gibt die Saite nicht B.


7. Wer A sagt, kommt zuletzt bis zum Z.


8. Wer A sagt, muss auch B sagen.Pistor., II, 1; Eisenhart, IV, 24; Eiselein, 3; Steiger, 452; Frommann, VI, 163; Volkmar, 353; Zeitschr. f. deutsches Recht von Reyscher und Wilda, XVI, 1. Heft.

Frz.: Le premier pas engage au second. – Puisque le vin est tiré, il le faut boire.

Lat.: Insistendum est destinatis. (Tac.)

Mit der ersten bösen That verhält es sich nach J.J. Rousseau wie mit dem ersten im Spiel gewonnenen Thaler, beide kosten tausend neue hinterdrein. – Von der geschäftlichen und juridischen Seite angesehen, will das Sprichwort sagen, dass derjenige, welcher das eine genehmigt, auch das andere eingeht. Willigt ein Käufer z.B. in den verlangten Werth der Waare, so hat er sich auch verpflichtet, dasjenige zu erfüllen, was die Gesetze von einem Käufer fordern.


9. Wäa A sägt, mütt ok B seggen. (Ukermark.)


10. Wer lernt A sagen, soll auch lernen B (Z) sagen.Sprichwörtergarten, 33.

Wer etwas Gutes anfängt, soll auch streben es zu vollenden. Wer mit der Erlernung einer Kunst, Wissenschaft etc. beginnt, muss rüstig darin fortfahren.

Frz.: Un engagement en entraîne (emporte) un autre.

Lat.: Cedens in uno cedet in pluribus. – Pertexendum cuique, quod exorsus est. – Semel altum ingressis vela facienda sunt.


*11. Er hat kein A dabei gemacht.

Nicht das Geringste bei der Sache gethan.

Frz.: Il n'y a pas fait une panse d'A.


*12. Er ist das A und O.

Alles in allem; auf ihn kommt alles an.

Lat.: Ego sum A et O. – Ego sum rerum omnium summa. – Prora et puppis. (Erasm., 4.)


*13. Er kennt das grosse A noch nicht.

Von sehr Unwissenden.

Frz.: Il n'a pas fait une pause d'A.


*14. Er steht noch bei A.

Weise noch wenig, ist noch beim Anfange. Die Griechen sagten von denen, die noch nicht den Anfang einer Sache berührt hatten: Sie sind nicht einmal unter dem Eppich, weil ihre Gärten mit Eppich eingefasst waren und den Eingang in den Garten bildeten. Da man die Kinder, welche zu Wettkämpfern ausgebildet werden sollten, angeblich gleich nach ihrer Geburt in Eppich gestellt haben soll, so ist der Sinn auch hier: noch vor dem ersten Unterricht, beim Anfang einer Sache stehen.

Lat.: Ne inter spia quidem snnt. (Erasm., 8.)


*15. Er will nicht A sagen, um nicht B sagen zu müssen.Fischart, Gesch.


*16. Von A bis Z.

Lat.: Ab ovo usque ad mala.


[Zusätze und Ergänzungen]

zu 8.

Vgl. Graf S. 440-441. Ostfriesisch vgl. Kern, 1296. Eine scherzhafte Anwendung, die davon als Rechtsprichwort gemacht wird. – Wer A sagt, muss auch sagen B, drum folgt dem O gewöhnlich W. (Winkel, Plauderstübchen 1857, Nr. 1.) In Waldeck: Wei A säget, mott auk B sägen. (Curtze, 336, 282.) Würzburg, Sartorius, 155.

Frz.: Jamais sottise à demi. (Marin, 15.) – On n'a pas plutôt dit A qu'il faut dire B. (Masson, 10.)

It.: Chi ha detto A, bisogna che dica anche B. (Marin, 15.)

Poln.: Zwiez się grzybem, leź do torby. (Masson, 10.)

Schwed.: Har man sagt A, skall man säga B. (Marin, 15; Strömbäck.)


zu 10.

Lat.: Filum nivisti et acu opus est. (Frisius, 79.)


17. A, e, i, o, u, die Ochsen schreien Muh.Eiselein, 498.


18. Heww 'k A seggt, möt 'k ok B seggen. (Strelitz.) – Firmenich, III, 71, 26; Dähnert, 1a.


19. Wenn ik A segg, so mutt ik B seggen; wenn ik Gak segg, schall ik Eier leggen, de nix toseggt, dörft nix don; ik will stillswign, segg dat Hohn.Plattdütscher Husfründ, Leipzig 1877, II, Nr. 9.


20. Wer sîn A1 wêt, kann gôt läsen. (Mecklenburg.) – Günther, III.

1) D.h. das Abc, die Anfangsgründe. Wer das Seinige gelernt hat, dem geht das Geschäft leicht von der Hand.


*21. He kann gên a of b.Kern, 1294.


*22. He wêt 't van a bet z.Kern, 1295.

Von Anfang bis zu Ende.


*23. Ich stehe noch beim A still.

Ich warte noch beim Anfang, überlegend, ich habe noch nicht B gesagt.


*24. Weder A, noch B wissen.

Frz.: Ne savoir ni A, ni B. (Kritzinger, 1a.)

Lat.: Imperitum et omnium rerum rudem esse. (Ingerslew, Deutsch-lateinisches Schulwörterbuch.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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