Bettelleute

1. Bettelleute – Beutelleute.


2. Bettelleute haben die Kinder und die Reichen füttern sie.

Holl.: Bedelaars fokken kinderen, en laten er de rijken voor zorgen. (Harrebomée, I, 36.)


3. Bîn Baddellüen spêlt Schmâlhans1 Kökenmester2.Schambach, 323.

1) Der personificirte Hunger.

2) Küchenmeister. – Dennoch preisen sie ihren Beruf im Liede:

Bettelleut' han's gut,

Sie brauchen kein' Karren zu schmieren,

Sie brauchen kein' Garben zu führen.


*4. Das heisst den Bettelleuten aufgegeigt.

Es ist kein Gewinn dabei.


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5. Bettelleut seind Sommervögel, vnd nicht ein Störck, der ein federpelz an hat.Lehmann, 917, 22.


6. Bettelleut und landsknecht stand, die sind mit einander so nah verwandt, dass sie nicht dürften me einander die kinder geben zur ee.Schade, Satiren, I, 174, 703.


7. Die Bettelleut stammen von de reichen Buren ab. (Kurhessen.)

In der Schwalm-Landschaft in Kurhessen, d.h. in der Gegend, wo sich die vom Vogelberg herabkommende Schwalm mit der kurz vor Kassel in die Fulda gehenden Eder vereinigt, wohnt ein eigenthümlicher Schlag Menschen, der sich auch dadurch auszeichnet, dass die Bauern streng an dem Recht der Erstgeburt festhalten. Der Erstgeborne erbt den Hof mit allem, was dazu gehört und findet sich mit den jüngern Geschwistern durch eine geringe Geldsumme ab, die ihm, dem reichen »Herrn«, als Knechte und Mägde dienen und so zu Proletariern werden. Obiges in Hessen übliche Sprichwort charakterisirt dies Verhältniss und das bäuerliche Junkerthum. (Gartenlaube, Leipzig 1863, Nr. 25, S. 398.)


8. Wenn die Bettelleute waschen, ist der Sonntag nicht fern.

Wird häufig gebraucht, wenn in den letzten Wochentagen gewaschen wird. Sagt man zu einer Frau am Donnerstag oder Freitag: »Nun haben Sie heut Wäsche?« so pflegt sie zu erwidern: »Sie wollen wol sagen: Wenn die Bettelleute waschen, ist der Sonntag nicht fern.«


*9. Was brauchen die Bettelleute Hunde, haben selbst kein Brot. (Rott-Thal.)


*10. Was ganget mi d' Bettelleut an, i kauf mei Brot beim Bäcker! (Neresheim.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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