Geck (Subst.)

Geck (Subst.).


1. Alte Geck – alte Blöck.

Ueber die Wörter Geck, Gauch u.s.w. vgl. Grimm, Wb.; Wurzbach II, 124.


2. Besser ein alter geck, denn gar kein geck.Henisch, 1402, 17.


3. De sick sülfs de Geck anscheert, kan upholden1, wenn he will. (Oldenburg.) – Eichwald, 617; Bueren, 386; Frommann, IV, 141, 315.

1) Aufhalten, aufhören.


4. Der Geck gucket doch hervor.Schottel, 1120a.


5. Der ist ein rechter Geck, der zwischen Hammer und Amboss die Finger steckt.


6. Die gecke seindt jederzeit voran.Henisch, 1402, 3.

Lat.: Introitus solus stultus ubique facit. (Henisch, 1402, 4.)


7. Die gecken achten nicht, was der Roggen gilt.Henisch, 1402, 5.

Holl.: Gecken achten niet, wat de rogge geldt. (Harrebomée, I, 214.)

Lat.: Stulti in diem vivunt, stulti nihil pensi habent. (Henisch, 1402, 6.)


8. Ein feiner Geck ist ein vergoldeter Dreck.


9. Ein Geck kan vil Gecken machen.Henisch, 1402, 31; Petri, II, 189.


10. Ein Geck reucht gern den eigenen Dreck.

Holl.: Een gek ruikt gaarn zijnen drek. (Harrebomée, I, 214.)


11. Ene Gäck mät viel Gäcke. (Düren.) – Firmenich, I, 482, 15.


[1390] 12. Ene Geck kan mih frôge als sebbe Geschüde antworden können.Firmenich, I, 483, 44.


13. Es hat jeder seinen Geck.

Engl.: Every man has a fool in his sleeve.


14. Es ist ein geck, der sich auf eines andern Mannes Tod verlässt.Henisch, 1402, 33.

Lat.: Stultitia est morte alterius sperare salutem.


15. Es kan keiner den Geck also bergen, dass er nicht zuweilen herfür gucke.Henisch, 1402, 37; Petri, II, 280.


16. Es seind zween alte Gecke: ein alter Buler vnd ein alter Zancker.Henisch, 1402, 23; Petri, II, 295.


17. Es zeucht ein geck vbern Rhein vnd kompt ein Narr wieder heim.Henisch, 1402, 41; Petri, II, 307.


18. Fraget min Noaber Geck, dä lüget so wuel as eck.Woeste, 74, 223.

Aehnlich die Franzosen: Fragt meinen Gesellen, der ein ebenso grosser Lügner ist als ich. Die Engländer: Fragt meine Kameraden, ob ich ein Dieb bin. Fragt meine Mutter, ob mein Vater ein Dieb war. (Reinsberg IV, 46.)


19. Gäck lôss Gäck elans (vorbei). (Köln.) – Firmenich, I, 473, 76; Simrock, 3122.


20. Gäcke moss m'r us d'r Wäg gôn. (Düren.) – Firmenich, I, 483, 55.


21. Gäcke on Kenger (Kinder) sage de Wohrheit. (Düren.) – Firmenich, I, 483, 33.


22. Gäcke send och Löck (Leute). (Düren.) – Firmenich, I, 482, 28.


23. Gecke vnd Narren verschmechen Kunst vnnd Lehr.Petri, II, 328.


24. Gecken lassen sich bald entrüsten.Franck, II, 174a; Egenolff, 232b; Petri, II, 328; Henisch, 1402, 43; Gruter, I, 42; Lehmann, II, 223, 5.

Lat.: Iracundia levis atque infirmi animi argumentum. (Henisch, 1402, 44.)


25. Gecken lassen sich leichtlich schrecken.Lehmann, 708, 10; Körte, 1891.


26. Gecken sind in allen Landen frei.Henisch, 1402, 39.

Lat.: Multa licent stultis. – Verus habet nusquam terrarum mario leges. (Gaal, 603.)


27. Gecken sind veränderlich wie der Mond. Körte, 1894.


28. Im Reich der Gecken ist die Vernunft ein Schrecken.


29. Je älter der Geck, je schlimmer.Körte, 1893; Simrock, 3124; Braun, I, 673.


30. Jeder Geck hat seinen Fleck.

Holl.: Ekke gek heeft zijn gebrek. (Harrebomée, I, 214..)


31. Jeder hat seinen Gecken.

Frz.: Chacun a sa marotte. (Kritzinger, 442.)


32. Kein grösserer Geck, als wer einem Narren die Tochter gibt weg.

Dän.: Den er en gek som giør gekke-gierning; han er en stor gek, som vil styre gekken; han er størst som giver ham sin datter. (Prov. dan., 221.)


33. Ma moss de Gecke Uehm hesche. (Aachen.) – Firmenich, I, 492, 30.

Man muss den Geck Oheim heissen, d.h. ihm schmeicheln.


34. Magst den Geck nit Oime heiten. (Soest.) – Firmenich, I, 349, 52.

Magst den Geck nicht Oheim heissen.


35. Man muss den gecken nicht allzeit im maw halten.Henisch, 1402, 58.

Lat.: Dulce est desipere in loco. – Misce stultitiam consiliis brevem. – Stultitiam simulare loco prudentia summa est. (Henisch, 1402, 59.)


36. Mit schlimmen Gecken ist schlimm ringen. Körte, 1889.


37. Mit gecken ist nicht gut zu schertzen.Henisch, 1402, 56.

Lat.: Cum fatuis chari pueri nolite jocari. (Henisch, 1402, 57.)

38. Mit schlimmen Gecken soll man nicht spassen.Körte, 1889.


39. Nur ein Geck rührt in jedem Dreck.

Dän.: Det er en gjek der vil svare til alting. (Prov. dan., 536.)


40. Wenn die Gecken zu Marckte kommen, lösen die krämer geld.Franck, II, 177b; Körte, 1892.


[1391] 41. Wer auch den Gecken spielen kann, der ist ein kluger Mann.

Dän.: At slaae gekken løs iblant, en klogskab. (Prov. dan., 221.)


42. Wer den Geck im Aermel hat, dem guckt er leicht heraus.

Dän.: Geken er end at holde inde; hvo hannem haver i ermet, vil han altid kige ud. (Prov. dan., 221.)


43. Wer einen Geck aussendet, dem kommt ein Narr wieder.Simrock, 3125; Körte, 1888.

Holl.: Die enen ghec uutsent, hem comt een dwas weder. (Tunn., 9, 22.)

Lat.: Stultus mille leucas stultus redit ille. (Fallersleben, 217.)


44. Wer Gecken fragt, kriegt Geckenbescheid.


45. Wer nicht weiss, was das für ein Geck ist, der kann's an seinem Pferde sehen.Simrock, 3127.


46. Wer seinen Geck verbergen kann, der heisst mit Recht ein kluger Mann.

Dän.: Han haver gekken i sakken, klæder hver dag en nar i kappen. (Prov. dan., 221.)


47. Wer sich befasst mit einem Geck, der kommt gar leicht in Dreck.

Holl.: Heult iemand met en gek, zoo blijft hij in den drek. (Harrebomée, I, 214.)


*48. Den Geck scheren.

Nach Sprenger kommt Geck von Gech (die Kehle) und bezeichnet kitzeln, jemand zum Lachen bringen.


*49. Den Gecken spielen.Henisch, 1402, 7.


*50. Der Geck sticht ihn.

Dän.: Gekken stikker i ham; han har korte esels-øren. (Prov. dan., 221.)


*51. Einem den Geck stechen.Wurzbach II, 127.

Ihn von seiner Albernheit recht augenscheinlich überzeugen, indem man die Naht der Hirnschale mit der Messerspitze trifft. Unter Geck, wovon die Redensart entlehnt, ist, nach andern, eine Naht an der Hirnschale der Schöps- und Kalbsköpfe zu verstehen. (S. 48.)


*52. Einen für einen Gecken halten.Seybold, 125.


*53. Etwas inn geck1 sagen.Henisch, 1402, 9.

1) D.h. ein Scherz.

Lat.: Joco dicere.


*54. Hä es 'ne Gäck, un weiss et nit, un säd mer't imm, dann gläuv hä't nit. (Köln.) – Firmenich, I, 474, 123.


*55. Hä mäht sich ene Geck im Düstern. (Köln.) – Weyden, IV, 15; Firmenich, I, 472, 16.

Er stellt sich dumm.

Holl.: Hij draagt den geck in de mouw. (Harrebomée, I, 214.)


*56. Lass dir den Geck schneiden (stechen). Schottel, 1120a; Körte, 1887a.


*57. Mit jemand den Geck scheren.

Einen für den Gecken oder Narren halten.


*58. Vöör de Geck traun. (Kleve.) – Firmenich, I, 382, 50.

D.h. sich blos zum Schein verheirathen. Diese Redensart wurde während der Franzosenherrschaft in Westfalen von den Leuten gebraucht, welche vor dem Maire eine Civilehe eingingen, um von der Conscription frei zu sein; aber nach dem Acte nicht als Eheleute lebten, sondern das Leben des Brautstandes so lange fortsetzten, bis sich Gelegenheit zur kirchlichen Trauung fand, die man trotz des französischen Gesetzes für unbedingt nothwendig erachtete.


[Zusätze und Ergänzungen]

59. Aus einem Geck wird leicht ein Narr.


60. Das ist ein Geck, der sich vor dem fürchtet, was geschehen muss.

Bei Tunnicius (1179): It is ein gek de vruchtet vor dat dat geschein mot. (Est stultum timuisse, nequit quod tempore verti.)


61. Dem Gecken hangen seine Strümpfe.

Bei Tunnicius (1034): Dem gecken hangent syne kuse. (Cuique placet stulto sua vestis sordida quamvis.)


62. Der Gecken gibt es grosse Haufen.


63. Der ist ein Geck, der keinen Vorwurf leiden kann.


64. Der ist ein Geck, der sich verlässt auf gelben Dreck.Frischbier, 4385.


65. Der ist wol ein echter Geck, der streiten will mit einem Dreck.

Holl.: Men houdt hem voor een rechten geck, die wil gaen vechten met den dreck. (Cats, 250.)

Lat.: Stultornm est cum stercore pugnare.


66. Ein Geck ist, wer dem Glück traut.

Bei Tunnicius (1201): Ein gek is hei, de dem gelucke truwet. (Desipit hic penitus, sorti qui fidit iniquae.)


67. Es ist ein Geck, der den Arzt zum Erben einsetzt.

Bei Tunnicius (1272): It is ein gek de den arsten set vor einen erven. (Chirurgum faciens haeredem stultus et excors.)


68. Es ist ein Geck, der den Tod verlangt.

Bei Tunnicius (1034): It is ein gek, de den dôt eischet. (Est stultum vocitare ultro venientia fata.)


69. Es ist ein Geck, der eine Thür aufthut, die er nicht zuthun kann.

Bei Tunnicius (1003): It is ein gek, de eine döre updoet, de he nîcht tôdoen kan. (Recludit stultus limen, quod claudere nescit.)


70. Es ist ein Geck, der Grosses übernimmt ohne Hülfe.

Bei Tunnicius (1342): It is ein gek, dz grôt annimt sunder hulpe. (In mare deducens navim sine remige bardus.)


71. Gecke, dat is Deibels Tég, ower Menschkeid sind noch viel schlimmer. (Sauerland.)


72. Gecken geloben viel und sehr.

Bei Tunnicius (1110): Gecken loven vele unde grôt. (Promittunt stolidi quae non tribuisse valebunt.)


73. Gecken haben viel Worte.

Bei Tunnicius (1125): Gecken hebben vele wôrde. (Verbula multiplicat stultus verbosior aequo.)


74. Gecken soll man nicht um Rath fragen.

Bei Tunnicius (1131): Van gecken sal men neinen rat vragen. (Antiquum verbum: fatuos tu consule nunquam.)


75. Gecken sorgen nicht.


76. Gecken verwandeln sich wie der Mond.

Bei Tunnicius (1194): Gecken vorwandelen sik als de mane. (Mutantur stolidi veluti vaga luna quotannis.)


77. Wenn de Gecken ken Brud össen, dann wären de Säck dünder als et Kor. (Bedburg.)


78. Wiltu ein geck gescholten werden, so klaff viel vnd für wüste berden.Loci comm., 188.

Lat.: Fac mala, dic multum, si te uis reddere stultum. (Loci comm., 188.)


*79. Einen Gecken bohren.Schuppius, Schriften, I, 652.


*80. Gecken mit Kalbsgekrösen behangen.

Von Leuten, die sich geckenhaft kleiden und sich durch ihre Haltung und äussere Erscheinung von andern auszeichnen.


*81. Hett mir ein Geck das gesagt, so hettest du dein weissheit behalten.Weidner, Ausg. 1653, III, 297.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1307.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Prévost d'Exiles, Antoine-François

Manon Lescaut

Manon Lescaut

Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.

142 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon