Laurentius

Laurentius (s. Lorenz).


1. An Laurentius (10. Aug.) man pflügen muss. Boebel, 40.


2. An Sanct-Laurenti Sonnenschein bedeutet ein gut Jahr für Wein.Boebel, 40; Orakel, 701; Clemens, 68.

Frz.: Quand il pleut en aout, il pleut bien et bon moust. (Clemens, 69.)


3. Laurensi, suchs Pelsi. (Wetzlar.) – Boebel, 40.


4. Laurentius heiter und gut, einen schönen Herbst verheissen thut.Reinsberg VIII, 165.


5. Laurenz zu Barthel spricht: Schür, Barthel, schür, in vierzehn Tagen ist's an dir. Frommann, III, 354; für Oberösterreich: Baumgarten, 51.


6. Nô em Laurenzi schlîd et nimi än. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 27.


7. Sanct-Laurenz ist der wärmste Lenz.Fischart, Gesch., in Kloster, VIII, 636.

Frz.: A la saint-Laurent la faucille au froment. (Leroux, I, 179.)

8. Sanct-Laurenz macht einen Seng oder Spreng. (Eifel.) – Orakel, 702.

Entweder scheint die Sonne sehr heiss oder es gibt Regen. An manchen Orten glaubt man auch: Regnet's Laurentiitag, gibt es viel Mäuse. Die Deutschböhmen behaupten: Die Witterung am Laurentius hält einige Tage an. Die Basken: Der gnädige Herr Sanct-Lorenz hat eine Hand als Regen, die andere als Feuerbrand. In Italien wünscht man vorzüglich das erstere, da sie der Ansicht sind, der erste Augustregen sei nur dann von guter Wirkung, wenn er vor dem 16. falle. In Beziehung darauf heisst es: An Laurentius ist's zur Zeit; an der Madonna (15. Aug.) ist's noch gut; an Sanct-Rochus (16. Aug.) ist's zu spät, an Bartholomäi (24. Aug.) gib ihm einen Fusstritt. (Orakel, 707.) Oder: Regnet's an Laurentii, ist's etwas spät, aber noch Zeit; regnet's an der Himmelfahrt, ist's, lass dir sagen, auch noch gut; regnet's aber an Sanct-Bartholomäi, so kannst du ihm eins abgeben. (Orakel, 706.) In Verona: An der Madonna ist's noch gut, an Sanct-Rochus ist's noch etwas. In Mailand: An der Madonna ist's noch gut, an Sanct-Rochus hat's zu sehr warten lassen. (Reinsberg VIII, 165.) Da in Frankreich und Italien um diese Zeit die Nuss- und Mandelernte beginnt, so sagt man in der Picardie: An Sanct-Lorenz blickt man hinein und an Sanct-Rochus knackt man sie auf. In Venetien: An Sanct-Lorenz kommen die Nüsse mit dem Stocke, an Sanct-Rochus verlieren sie die grüne Schale. Auf Sardinien: Am Tage vor Sanct-Lorenz esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. Sept.) esst hundert Nüsse. (Reinsberg VIII, 166.)


9. Sanct-Lorenz, erster Herbsttag. (Oberschles.) – Reinsberg VIII, 164.

Auf Sicilien heisst es: An Sanct-Lorenz die grosso Hitze, an Sanct-Antoni die grosse Kälte; die eine oder die andere währt nicht lange. (Reinsberg VIII, 164.)


10. Sind Laurentius und Barthel schön, ist ein guter Herbst vorauszusehn.Orakel, 699.


11. Um Sanct-Laurenzi Sonnenschein bedeutet ein gut Jahr an Wein. (Pfalz.) – Reinsberg VIII, 162.


12. Vor Laurenz gibt es Bienenstäck(-stöcke), nach Laurenz Bienenquäck1. (Eifel.)

1) Da sie dann geschwärmt haben, nur leichte schwache Stöcke.


13. Wenn es an Sanct-Laurenz regnet, gibt es im Jahre viele Mäuse.Orakel, 705.


14. Wenn man auf Laurenzen oder Bartholomä reife Trauben findet, so ist gute Hoffnung zu einem reichen Herbst vorhanden.


[1821] 15. Wie Laurenz und Bartholmei, so dich zum Herbst gefreu. (Oesterreich.)

In Italien heisst es: Sanct-Laurentius- und Bartholomäustag schön, deuten auf schönen und lieblichen Herbst. (Reinsberg VIII, 167.) Wenn die Tage Laurentii und Bartholomäi schön sind, so soll ein schöner Herbst zu erwarten sein. (Orakel, 698.)


[Zusätze und Ergänzungen]

16. Laurentius (10. August) Holzstillstand. Schulfreund, 33, 14.


17. Laurentt schön vnd Mariae Himmelfahrt, gute Hoffnung macht der Regen Art.Lins.


18. Laurenz heiss – guter Wein.Egerbote, 1875.


19. Sanct-Laurentius gibt das Feuer dem Wein, thut er's nicht, kommt nichts Gutes hinein.Wunderlich, 30.


20. Sanct-Laurenz bringt eine Helle oder Sprenz.Schmitz, 173, 56.


21. Sanct-Laurenz mit heissem Hauch füllt dem Winzer Fass und Schlauch.Payne, 29.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Ein Spätgeborner / Die Freiherren von Gemperlein. Zwei Erzählungen

Ein Spätgeborner / Die Freiherren von Gemperlein. Zwei Erzählungen

Die beiden »Freiherren von Gemperlein« machen reichlich komplizierte Pläne, in den Stand der Ehe zu treten und verlieben sich schließlich beide in dieselbe Frau, die zu allem Überfluss auch noch verheiratet ist. Die 1875 erschienene Künstlernovelle »Ein Spätgeborener« ist der erste Prosatext mit dem die Autorin jedenfalls eine gewisse Öffentlichkeit erreicht.

78 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt.

424 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon