Böttiger

Böttiger

[305] Böttiger (Karl Aug.), berühmt im In- und Auslande als einer der kenntnißreichsten Archäologen, ausgezeichnet durch gründliches Wissen in vielen Fächern der Gelehrsamkeit und Kunst und sein unermüdliches Bestreben für gemeinnützige Verbreitung der Früchte seiner Forschungen, wurde 1760 zu Reichenbach im sächs. Voigtlande geboren.

Nachdem B. auf der Schulpforte und zu Leipzig seine wissenschaftliche Bildung vollendet und in Dresden kurze Zeit eine Hauslehrerstelle bekleidet hatte, wurde er 1784 in Guben und 1790 in Bautzen Rector, von wo er aber schon 1791 als Oberconsistorialrath und Director des Gymnasiums nach Weimar ging. Hier trat er in vertraute Beziehungen mit Herder, Göthe, Schiller, Wieland und Andern und begann jene vielseitige schriftstellerische Thätigkeit, welcher die Vergangenheit und die bleibenden und wandelbaren Interessen der Gegenwart gleich vertraute Stoffe geblieben sind. In Weimar schrieb er auch seine »Sabina, oder Morgenscenen einer reichen Römerin, ein Beitrag zur richtigen Beurtheilung des Privatlebens der Römer« (2. Aufl., Lpz. 1806), in der B. seine umfassende Kenntniß des Alterthums glänzend bewährte. Mit dem Charakter als Hofrath kam B. 1804 als Studiendirector des Pagenhauses nach Dresden, wurde 1814 in denselben Geschäftskreis zur kön. Ritterakademie versetzt und zum Oberaufseher der kön. Museen, der antiken Marmors und der von Rafael Mengs (s.d.) herrührenden Gypsabgüsse ernannt und hielt seitdem bis 1825 während des Sommers im Vorzimmer der Antikengalerie unentgeltliche Vorlesungen über einzelne Theile der Kunst und Alterthumskunde B.'s langjährige Verbindungen mit den ausgezeichnetsten Männern und seine allseitigen Erfahrungen machten ihn auch zum geeignetsten Biographen mancher berühmter Verstorbenen, denen er sowol in Zeitschriften als in selbständiger Form würdige literarische Denkmale gestiftet hat.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 305.
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