Hieronymus

[388] Hieronymus (der Heilige), ein durch seine Sprachkenntnisse und seine Begeisterung für die christliche Kirche höchst ausgezeichneter alter Kirchenlehrer. Geboren 331 n. Chr. zu Stridon in Dalmatien, kam er frühzeitig nach Rom und erhielt hier einen vortrefflichen Unterricht. Er war noch Heide, und das üppige Leben der Hauptstadt verlockte ihn zu mancher Ausschweifung; aber schon in Rom und noch mehr auf Reisen am Rhein und in Gallien lernte er die christliche Religion näher kennen und vor seinem 40. Jahre ließ er zu Rom sich taufen. Er faßte nun eine große Vorliebe für ein strenges, nur der Buße und religiösen Betrachtungen geweihetes Leben. Die weltlichen Freuden verachtete er und die Ehe hielt er für ein nothwendiges Übel, welches nur das Gute habe, daß Mönche und Nonnen aus ihr hervorgingen. Er begab sich selbst 374 in die Wüste von Chalcis und lebte unter strengen Bußübungen vier Jahre daselbst. Er wurde hierauf zum Presbyter zu Antiochien geweiht, doch trieb ihn Wissensdrang nach Konstantinopel, um dort von dem gelehrten Erzbischof Gregor von Nazianz sich unterrichten zu lassen. Als er 383 zu Rom als Lehrer auftrat, fand er besonders bei den vornehmen Frauen Beifall und viele von ihnen wurden durch seine begeisterten Reden bewogen, dem Glanze des Lebens zu entsagen und die Einsamkeit aufzusuchen. Eine dieser Frauen, Paula, begleitete ihn nach Palästina, wo H. von dem Vermögen derselben ein Kloster stiftete, in dem er bis zu seinem 420 erfolgten Tode blieb. H. hat viele gelehrte, namentlich theologische, Streitschriften verfaßt, auch das A. T. aus dem Hebräischen ins Lateinische übertragen, welche Übersetzung der Vulgata (s. Bibel) zu Grunde liegt.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 388.
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