Jung

[517] Jung (Joh. Heinr.) genannt Stilling, war der Sohn armer Ältern und wurde 1740 zu Im-Grund im Nassauischen geboren. Er wollte erst Kohlenbrenner, dann Schneider werden, fühlte sich jedoch von höhern geistigen Interessen so angezogen, daß er nebenbei rastlos für eine höhere Ausbildung seines Geistes bemüht war. Er bekleidete mehre [517] Privatlehrerstellen und brachte es endlich so weit, daß er von einigen Ersparnissen zu Strasburg Medicin studiren konnte. Nachdem er hierauf einige Zeit als Arzt zu Elberfeld gelebt und sich besonders mit kameralistischen Studien beschäftigt hatte, trat er 1778 als Lehrer an die Kameralschule zu Lautern und kam mit dieser nach Heidelberg, wo er zum Professor ernannt wurde. Nachdem er 1787 einem Rufe zum Professor der Ökonomie und Kameralwissenschaften nach Marburg gefolgt war, kehrte er 1804 als ordentlicher Professor der Staatswissenschaften nach Heidelberg zurück. Er wurde zum bad. Geheimrath ernannt und lebte die letzten Jahre vor seinem 1817 erfolgten Tode ohne öffentliche Anstellung zu Karlsruhe. Er hat nützliche kameralistische Werke geschrieben, aber besonders durch seine pietistisch-frommen und zum Theil von mancherlei Aberglauben nicht frei zu sprechenden Schriften allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Höchst interessant ist das von ihm selbst verfaßte Buch: »H. Stil ling's Leben, eine wahrhafte Geschichte« (5 Bde., Berl. 1806), zu dem noch ein von seinem Enkel W. Schwarz herausgegebener sechster Band kommt: »H. Stilling's Alter«.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 517-518.
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