Barden

[440] Barden. Die Dichter und Sänger der keltischen Völkerstämme welche einen Theil des alten Galliens, Großbritannien, Irland[440] und die Hebriden bewohnten. Zum Klange der Harfen fangen die irischen Barden das Lob der Helden und begeisterten in den Schlachten, denen sie beiwohnten, durch lauten Gesang die Krieger zur Tapferkeit und zur Todesverachtung; sie führten selbst die Heere an, festlich geschmückt mit weiten Gewändern, und wenn das Wüthen des Kampfes begann, standen sie nahe dabei, und beobachteten die Anführer, um aus der Tapferkeit derselben Stoff zu neuen Liedern zu sammeln. Ihre Person war heilig und unverletzlich, und mächtig ihr Ansehn. Jeder Zweikampf endete, wenn es ein Barde gebot. Die Könige beschützten sie, und sie waren ihnen unentbehrlich, kein Hofhalt konnte ohne Barden sein, und die Einträglichkeit des Dienstes mehrte ihre Zahl. Sie bildeten sich bald zu einer Art Zunft aus, theilten sich in Klassen; ein Hauptbarde hatte dreißig Barden des zweiten Ranges unter sich, und jeder dieser dreißig wieder funfzehn. Bald sank durch solche Ueberfülle ihr Ansehen, und aus den Barden wurden Bänkelsänger und Leiermänner, fahrende Musikanten. Die Geschichte hat uns einige Namen berühmter Barden aufbewahrt. Schon dreihundert Jahre vor Christus soll in Irland Craistine sich als Barde ausgezeichnet haben; später, im vierten und fünften Jahrhundert, kam das Bardenthum in dem schottischen Hochlande zur höchsten Blüthe, und durch die kaledonischen Nebelnächte glänzt noch immer wie ein heller Stern der Name Ossian (s. d.) Auch bei unsern Vorfahren, den alten Deutschen, sollen die Barden in hohem Flor gewesen sein. Daß unser Vaterland auch in der Urzeit seine Sänger hatte, ist wohl nicht zu läugnen, denn Gesang und Poesie sind die kräftigen Wurzeln am Baum der Völkergeschichte. Diese Meister lehrten Musik und Dichtkunst, und pflanzten die Thaten der Helden und Götter durch Gesänge fort. Letztere erfanden sie.

–ch–

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Damen Conversations Lexikon, Band 1. Leipzig 1834, S. 440-441.
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