Antokolski

[591] Antokolski, Markus, russ. Bildhauer, geb. 1843 in Wilna, gest. 9. Juli 1902 in Bad Homburg, war Schüler der Petersburger Akademie, bildete sich aber, im Gegensatze zu der dort herrschenden klassizistischen Richtung, in realistischem Sinne durch Studien nach der Natur aus. Sein erstes größeres Werk, die sitzende Figur Iwans des Schrecklichen (1871, s. Tafel »Bildhauerkunst XX«, Fig. 8), trug ein durchaus realistisches Gepräge mit starker Betonung des charakteristischen und malerischen Elements. Der gefesselte Christus vor dem Volke (1874) bewegte sich in derselben Richtung, und in dem sterbenden Sokrates (1876) führte das Streben nach Naturwahrheit zu einer krassen Darstellung der Wirkungen des Todes. Seine Porträtbüsten und Statuen (Peter d. Gr., Turgenjew, Spinoza, die Kaiser Alexander II., Alexander III. und Nikolaus) zeichnen sich durch Lebendigkeit und Energie des Ausdrucks aus. Für die Alexanderbrücke in Petersburg hat er die Reiterstatuen Jaroslaws des Weisen und Iwans III. ausgeführt. Von seinen übrigen Werken sind noch der ewige Jude, Satan, Ophelia, das schlafende Dornröschen, der Traum und der Kummer hervorzuheben. Seit 1880 lebte A. in Paris.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 591.
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