Axum

[207] Axum (Akßum), Stadt in der abessin. Landschaft Tigré, 16 km westlich von Adua, breitet sich mit zahlreichen Kirchen in einem baumbestandenen Tal zwischen vulkanischen Hügeln aus und hat 5000 Einw., darunter 800 Priester und Mönche, deren oberster dem Abuna im Range fast gleichsteht. Inmitten der Hütten des für heilig gehaltenen Wallfahrtsortes, dessen Hauptkirche als politisches Asyl gilt, liegen die alten Ruinen der ehemaligen Hauptstadt des axumitischen Reiches. Die bedeutendsten darunter sind der sogen. Königssitz, wahrscheinlich ein Altar und 50–60 Tafeln und Obelisken, die aber von den ägyptischen völlig abweichen; die vollendetsten sind etwa 20 m hoch und tragen z. T. griechische Inschriften, darunter die prunkvolle Inschrift, worin der axumitische König Uizanas (Aizanes) 333 n. Chr. einen Sieg rühmt. Danach erstreckte sich das Reich Axum, das sich in den beiden Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt neben dem niedergehenden Meroë erhoben hatte, nicht nur über das heutige Abessinien (s. d., Gesch.) und die angrenzenden Gebiete auf der Westseite des Roten Meeres, sondern auch über Jemen und Saba (das im 1. vorchristl. Jahrtausend seinerseits über A. geherrscht hatte) in Arabien und war die Vormacht an der Straße von Babel-Mandeb. Griechische Bildung war hier zu Hause, und Griechisch wurde Hof- und Priestersprache. Unter Uizanas wurde durch Frumentius und Ädesius das Christentum im Lande verbreitet. Bald danach entstanden die durch ganz Abessinien zerstreuten Felsenkirchen, Klöster und Einsiedeleien. Das Reich A. pflegte über Adulis Handelsverkehr mit Arabien und Indien und galt lange als Hort christlichen Glaubens gegenüber dem vordringenden Islam, bis es um 1530 dem Fürsten Mohammed Ahmed Granj von Harar erlag. Vgl. Dillmann, Zur Geschichte des axumitischen Reiches (Berl. 1880); Schurtz im 3. Bande von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1901).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 207.
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