Caligūla

[702] Caligūla, Gajus (Julius) Cäsar Augustus Germanicus, röm. Kaiser 37–41 n. Chr., jüngster Sohn des Germanicus und der Agrippina, geb. 31. Aug. 12 n. Chr., gest. 24. Jan. 41, wurde von seinem Vater an den Rhein mitgenommen, wo er von den Soldaten wegen der Kleinheit seiner Soldatenstiefel (caliga, s.d.) den Beinamen C. erhielt. Der Grausamkeit Sejans entging er durch Schmeichelei, womit er sich dem Belieben des Kaisers Tiberius anbequemte, und wurde von diesem mit Übergehung seines leiblichen Enkels (Tiberius) zum Nachfolger bestimmt. Nach des Kaisers Tode bestieg er, unterstützt von dem Mörder Macro und als Sprößling des Germanicus von dem Volke mit Jubel begrüßt, den Thron und hob mehrere der drückendsten Einrichtungen seines Vorgängers auf; als er aber, im achten Monat seiner Regierung schwer erkrankt, nach seiner Genesung die lebhaftesten Huldigungen empfing, trat eine völlige Veränderung ein. Er hielt alles für erlaubt, was ihm beliebte, und so folgten nun Schwelgereien, Ausschweifungen, Erpressungen, Grausamkeiten mit einer Schamlosigkeit, daß man sie durch die Annahme einer völligen Geistesstörung erklären zu müssen geglaubt hat. Dabei gefiel er sich darin, sich als Gott verehren zu lassen und alles Ehrwürdige mit Füßen zu treten. Seine Kriegszüge, mit gewaltigen Zurüstungen begonnen, verliefen ohne allen Erfolg, so der im I. 39 gegen die Chatten und, nachdem er den Winter 39/40 in Lyon zugebracht hatte, der im I. 40 gegen Britannien, auf dem er diesseit des Meeres Halt machte. Nach mehreren erfolglosen Verschwörungen, die er auf das grausamste bestrafte, fiel er der Privatrache eines Tribunen der Prätorianer, Cassius Chärea, zum Opfer.

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Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 702.
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