Claudĭus, Matthias

[180] Claudĭus, Matthias, Dichter und Schriftsteller, geb. 15. Aug. 1740 als Sohn eines Pfarrers zu Reinfeld im Holsteinischen, gest. 21. Jan. 1815 im Hause seines Schwiegersohnes Friedrich Christoph Perthes (s.d.) in Hamburg, studierte 1759–63 in Jena erst [180] Theologie, dann Rechtswissenschaft und lebte danach in Kopenhagen, Reinfeld, Hamburg und Wandsbek bei Hamburg, wo er 1770–75 unter dem Namen Asmus den »Wandsbecker Boten« herausgab. 1776 wurde er auf Herders Empfehlung nach Darmstadt berufen, um die neue »Landzeitung« zu schreiben, aber schon 1777 kehrte er nach Wandsbek zurück, wo er sich nun dauernd niederließ. Von Bedeutung ist C. als Volksschriftsteller. Stark beeinflußt von den Bestrebungen des Pietismus und der Empfindsamkeit, übte er zugleich durch biedere Derbheit, Witz und satirische Laune, vor allem aber durch volkstümliche Verständlichkeit eine starke Wirkung aus. Das Höchste leistete er im einfach sinnigen und im launigen Lied. Sein Rheinweinlied (»Bekränzt mit Laub«), »Der Mond ist ausgegangen«, »Wenn jemand eine Reise tut«, »Der Riese Goliath« u. a. offenbaren die ganze Liebenswürdigkeit seiner anspruchslosen und frischen Natur. Er selbst veranstaltete eine Sammlung seiner Werke unter dem Titel: »Asmus omnia sua secum portans, oder: Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten« (Hamb. u. Wandsbek 1775, 2 Tle.; Hamb. 1790–1812, 8 Tle.; 13. Aufl., mit Anmerkungen und einer Nachlese von Redlich, Gotha 1902, 2 Bde.). Außerdem übersetzte er englische und französische Werke. Eine Auswahl aus seinen Werken besorgte Karl Gerok (3. Aufl., Gotha 1903). Vgl. W. Herbst, Matthias C., der Wandsbecker Bote (4. Aufl., Gotha 1878); Schneiderreit, Matthias C. Seine Weltanschauung und Lebensweisheit (Berl. 1898); Möhn, M. C., der Wandsbecker Bote, für die Jugend und das Volk dargestellt und ausgewählt (Gütersloh 1901).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 180-181.
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