Psychodrama

[423] Psychodrama, Bezeichnung für eine Form des Dramas, die von einem einzigen Sprecher die ganze Handlung eines Bühnenwerkes mit allen darin vorkommenden Personen darstellen läßt. Alle Vorgänge sollen dem Zuschauer bloß durch die Äußerung der Wirkung, die sie auf den Einen Sprecher erzeugen, vorgestellt werden: eine Neuerung, die auf so wesentliche Reize des szenischen Spieles wie die Mannigfaltigkeit der mitwirkenden Künstler und die szenische Ausstattung, auf den künstlerischen Genuß von Auge und Ohr verzichten will, um die ganze dramatische Handlung zu einem Vorgang in der Seele des Zuschauers zu verflüchtigen. Gleichwohl hat diese Dichtungsart ihre Anhänger; als ihr Gründer gilt der sächsische Offizier Richard v. Meerheimb (1825–1895). Vgl. Hähnel, Psychodramatische Dichtungen (Brem. 1893).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 423.
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