Thāles

[451] Thāles, griech. Philosoph, der erste der sogen. ionischen Schule, geb. um 624 v. Chr. zu Milet in Kleinasien, gest. um 543, unternahm in seinen reifern Jahren Reisen nach Kreta, Phönikien, Ägypten und hielt sich auch an dem Hofe des Königs Krösos auf. Indem er das Seiende auf ein möglichst einfaches Prinzip zurückzuführen und aus diesem die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen abzuleiten suchte, stellte er das Wasser als Grundprinzip aller Dinge auf, aus dem alles entstanden sei und fortwährend entstehe, sowie alles auch wieder in das Wasser zurückkehre. Wahrscheinlich leitete er dann aus der Verdichtung und Verdünnung jenes Grundstoffes die Veränderung der Dinge ab. Seine Lehren wurden erst von spätern Philosophen, namentlich von Aristoteles, ausgezeichnet. Auch wurden ihm eine Menge Gnomen oder Sentenzen, wie das berühmte »Erkenne dich selbst«, zugeschrieben, wegen derer er den sogen. sieben Weisen Griechenlands zugezählt wurde. Er soll dem Krösos mechanische Hilfsmittel zur Abdämmung des Halys an die Hand gegeben, das Jahr auf 365 Tage bestimmt und eine Sonnenfinsternis, die in das Jahr 585 fiel, vorausgesagt haben. Als seine vorzüglichsten Schüler werden Anaximander, Anaximenes und Pherekydes genannt. Vgl. Dekker, De Thalete Milesĭo (Halle 1864).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 451.
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