1. Auch das Schmeicheln ist eine Kunst.
H. Heine (Verm. Schriften, Hamburg 1854, I, 38) behauptet: Gott habe uns die Zunge gegeben, damit wir unsern Mitmenschen etwas Angenehmes sagen.
Engl.: There is a craft in dawbing. (Gaal, 853.)
2. Den, der nicht schmeichlet, liebt man nit, das ist yetzunde der welt sitt.
Engl.: Flattery now a days gets friends. (Gaal, 411.)
Lat.: Si uis laudari, si uis charusque uocari discas adulari: nam tales sunt modo chari. (Loci comm., 89.)
[262] 3. Erst schmeicheln, dann kratzen, das schickt sich für Katzen. – Ramann, Unterr., V, 10; Simrock, 9111.
4. Man schmeichelt dem Hunde wegen des Herrn.
Dän.: Man acter ofte hunden vor herrens skyld. (Prov. dan., 5.)
It.: Onora il cane per amor dal padrone.
5. Mit schmeicheln erweicht man die Hertzen. – Lehmann, 382, 5.
Man verdirbt sie auch damit. »Schmeicheln maket fründ, de waerheit fiendschop gift.« (Lauremberg, 2, 296.) Die Russen behaupten, dass man mit Schmeichelei auch den Teufel gewinnen kann. (Altmann VI, 414.)
6. Schmeicheln ist so nothwendig, dass mans in Schulen der Jugent ein pflanzet, wie sie benevolentz sollen captirn. – Lehmann, 382, 7.
Vauvenargues sagt: »Wenn die Menschen einander nicht schmeichelten, wäre gar kein Zusammenleben möglich.«
7. Schmeichlen ist der Lieb Blassbalk. – Lehmann, 382, 9.
Goethe behauptet: »Wer keine Liebe fühlt, muss schmeicheln lernen, sonst kommt er nicht aus.« (Vgl. Loeper, 189.) Die Russen: Giesse Lob durchs Ohr, soll die Liebe im Herzen gedeihen. (Altmann VI, 502.)
8. Verachte schmeicheln und heucheln, und bei allen falschen Zungen denk an Goldschmids Jungen. – Chaos, 157.
9. Wer dir schmeichelt ins Gesicht, von hinten dir den Rücken bricht.
It.: Chi dinanzi mi pinge di dietro mi tinge. (Bohn I, 79.)
10. Wer es schmeichelt dich, is dein Feind; wer es struft dich, is dein Freund. (Jüd.-deutsch. Warschau.)
11. Wer nicht schmeichlen kan, der ist ein Holzbock. – Lehmann, 382, 8.
It.: Chi non sa adulare, non sa conversare. (Bohn I, 84.)
12. Wer schmeicheln kan, der ist der best Han im Korb. – Petri, II, 766.
13. Wer schmeichelt, der heuchelt.
14. Wer schmeichelt, hält den Zipfel seines Rocks auf.
15. Wer zuuil schmeichelt, hat betrogen oder will betriegen. – Henisch, 353, 9; Petri, II, 785.
Böhm.: Proto líchotí, že tvých penĕz chtí. (Čelakovsky, 42.)
It.: Che ti fa più carezza che non suole, ot'a ingannato vingannarti vuole.
Port.: Quem te faz festa, não soendo fazer, ou te quer enganar, ou te hà mister. (Bohn I, 292.)
Ung.: A' rút hizelkedés mérge a' barátságnak. (Gaal, 1768.)
16. Wo man schmeichelt, wird betrogen und geheuchelt.
*17. A koan rächt schmoicheln. – Gomolcke, 149.
Die Engländer bezeichnen das Schmeicheln ziemlich derb durch die Redensart: To piss down one's back. (Bohn II, 57.)
*18. Er schmeichelt wie ein Hofepferd.
Der Rücksichtslose. »Ob bei Hof ein jedes schmeichelt, schmeicheln doch die Pferde nicht, die den Herren selbst abheben, wenn er Reitens nicht bericht« (nicht zu reiten versteht). (Logau.)
*19. Schmeicheln wie ein Kammerhündlein. – Parömiakon, 1228.
20. Vörn schmächeln un hinten kratzen.
Von Heuchlern.
21. Wer nicht schmeicheln kann, ist kein beliebter Mann.
22. Wer zu schmeicheln pflegt, ist ein Schalk, der Schlingen legt.
It.: Chi ti fa più carezze che non suole, e ha ingannato od ingannar ti vuole. (Giani, 310.)
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