Blasien, St.

[560] Blasien, St., Bezirksamt im rauhesten badischen Schwarzwalde, 5 QM., 12000 meist kathol. Einw., welche von Viehzucht, Holzarbeiten, Kohlenbrennen, Eisenwerken und Fabrikation leben. – B., Amtsort mit 1000 E., meist als Fabrikarbeiter in den Gebäuden der ehemaligen Abtei St. B. – Schon im 5. Jahrh. sollen hier Einsiedler (Brüder an der Alb) gehaust haben, denen Bischof Ehrenfried von Konstanz Regel u. Gewand des hl. Benedikt sandte. 858 wurde die cella alba ein Priorat des Klosters Rheinau. von wo der hl. Frintan die Reliquien des hl. Blasius brachte. Ritter Regimbert, seit 936 Einsiedler, baute 945–48 das Kloster und dotirte es. Durch Kaiser Otto I. wurde es zur selbstständigen, mit Grundbesitz (blasianischer Zwing) und Freiheiten reichlich ausgestatteten Abtei. Abt Giselbrecht führte die strenge Disziplin von Clugny ein, unter Uto lehrten Mangold, Bernard und der Chronist Berthold an der Klosterschule, welche rasch hohen Ruf gewann. St. B. wurde neben Hirsau und Allerheiligen in Schaffhausen zum berühmtesten und reichsten Kloster des Schwabenlandes. 1125 kam die Kastvogtei an die Herzoge von Zähringen, 1218 an Oesterreich; seit 1413 trugen alle Aebte Insul und Insignien der Bischöfe. Verschwenderische Aebte, Schweizerkriege u. vor allem der Bauernkrieg bedrohten St. B. mit Untergang. 1525 wurde das Kloster von den Bauern zuerst geplündert und dann in die Luft gesprengt, weil der Abt einen Redmann (Anführer) hatte hängen lassen. Kaspar Müller und Andreas Letsch, deren geschichtliche Werke noch erhalten sind, belebten den wissenschaftlichen Geist von Neuem, 1613 kaufte das Kloster die Herrschaft Bonndorf und fortan saß sein Abt auf Reichstagen und beim schwäb. Kreise auf der Grafenbank. Der 30jähr. Krieg erreichte auch St. B., später empörten sich unter dem Salpetersieder Albiez die hauensteinischen Unterthanen (Salpeterer), doch blühte St. B. fort, 1746 wurde der Abt Reichsfürst und mit Martin Gerbert begann 1764 die letzte Glanzperiode. Gerbert machte große gelehrte Reisen, erwarb sich hohen Ruhm durch eigene Werke (historia nigrae silvae) u. zu seiner Zeit schrieben Ussermann, Eichhorn, Neutgart, Heer und Herrgott. Nach dem Klosterbrand von 1786 baute Gerbert die Kirche nach dem Muster der Maria della Rotonda zu Rom herrlich und st. 1793. Der Streit, ob St. B. dem Maltheserorden oder anderen als Entschädigung dienen solle, fristete der Abtei ein schutzloses Dasein von 1803–1805, wo sie an Baden fiel, 1806 provisorisch und 1807 definitiv aufgehoben wurde. Abt Rottler zog mit [560] den Bewohnern nach Kärnthen, wo Oesterreich ihnen das Kloster St. Paul einräumte. – Das Stiftsvermögen betrug nach offizieller Angabe bei der Aufhebung 5205372 Gulden mit jährlichem Ertrag von 254600 Gulden. Die Kirche hat manches verloren, die Glocken und die herrliche silbermannʼsche Orgel wanderten nach Karlsruhe, die Klostergebäude wurden zu Fabriken und Beamtenwohnungen eingerichtet.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 560-561.
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