Blasĭen, St.

[852] St. Blasĭen, 1) Amt im badenschen Oberrheinkreise, auf dem höchsten Theile des Schwarzwaldes, begreift die Herrschaften Bondorf, Stauffen, Kirchhöfen, Gurtweil u. Oberreidt; 5 QM.; 12,000 Ew.; Viehzucht, Kohlenbrennerei; 2) Sitz des Amtes, in einem Thale des Schwarzwaldes, an der Alb; Oberförsterei, ehemaliges berühmtes Benedictinerkloster, j. Wollspinnerei, Eisenhammer; 1000 Ew. – Anfangs lebten hier die Brüder an der Alb, Einsiedlermönche, deren Behausung Albzelle (Cella alba) hieß; als im 9. Jahrh. die Gebeine des St. Blasius hierher gebracht wurden, nannten sie ihr Kloster St. Blasien od. Abtei St. Blasii. Der eigentliche Stifter wurde Reginbald von Seldenbrun, welcher 945 dem Kloster beitrat u. demselben alle seine Güter vermachte, worauf er 946 ihr erster Abt wurde. Die Mönche waren Benedictiner; die Abtei stand anfangs unmittelbar unter dem Kaiser, wurde reich an Länderbesitz u. zählte berühmte Namen unter ihren Abten u. Brüdern. Als das Kloster l361 den Erzherzog Leopold von Österreich zum Schirmvogt gewählt hatte, machte das Haus Osterreich diese Würde erblich. 1405 erhielt der Abt die Würde eines insulirten Prälaten; 1611 erwarb das Kloster durch Erkaufung der Grafschaft Bondorf Reichsunmittelbarkeit u. Sitz im schwäbischen Grafencollegium; 1746 wurde der Abt Franz IV. zum Reichsfürsten u. kaiserlichen Erberzhofkaplan erhoben u. zum Vorsitzenden der Breisgauer Prälaten ernannt. 1768 brannte das Kloster ab u. verlor seine herrliche Bibliothek; 1805 kam es an Baden; 1807 wurde es aufgehoben u. die 1773–83 gebaute schöne Kirche spoliirt. Die Klostergebäude sind jetzt theils zu Fabrikanlagen, theils zum Sitz landesherrlicher Behörden benutzt. Die Mönche (Blasianer), wanderten 1806 nach der Abtei von Pyrhn ob der Enns u. von da 1808 nach St. Paul in Kärnthen aus.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 852.
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