Steine [2]

[284] Steine, feuerfeste, müssen den jeweilig erforderlichen Hitzegrad aushalten, ohne zu schmelzen, den Temperaturwechsel, ohne zu reißen, den Einflüssen derjenigen Stoffe, die innerhalb der mit ihnen aufgebauten Feuerungsanlagen sich entwickeln, großen Widerstand entgegensetzen und endlich nötigenfalls einen bedeutenden Druck ertragen können. Je nach dem Charakter der herzustellenden Produkte verwendet man feuerfeste Steine von besonderen Eigenschaften.

Man unterscheidet saure und basische feuerfeste Steine. Zu letzteren gehören die tonerdereichen Schamottesteine sowie die Magnesitziegel. Schamottesteine werden aus feuerfesten Tonen hergestellt, die mit Schamotte gemagert werden (das ist scharf gebrannter feuerfester Ton, welcher so weit zerkleinert wird, daß Stücke von Gries bis zu Erbsengröße entstehen). Magnesitziegel bestehen aus Magnesia, von welcher der größere Teil bis zur Sinterung (tot) gebrannt sein muß, während der Rest nur so weit gebrannt ist, daß die Magnesia, mit Wasser angemacht, noch plastisch wird. Die aus dieser Masse hergestellten Steine werden scharf gebrannt und geben dann ein Material von hoher Feuerfestigkeit. Dinassteine (Silicasteine) bestehen aus Quarz, Quarzit oder Infusorienerde, welche Stoffe mittels geringer Mengen von plastischen Materialien wie Ton, Kalkbrei, Gips zu einer formbaren Masse angemacht und nach der Formung scharf gebrannt werden. Die Dinassteine gehören zu den sauern, feuerfesten Steinen und sind um so feuerfester, je höher ihr Gehalt an Kieselsäure ist.

Infolge der Unschmelzbarkeit eignet sich der Kohlenstoff zur Herstellung feuerfester Steine, der Kohlenstoffsteine, die für den Boden, seltener auch für Gestell und Rost der Hochöfen sowie für elektrische Schmelzöfen Verwendung finden. Nicht brauchbar sind Kohlenstoffsteine da, wo sie der Einwirkung hocherhitzter, oxydierend wirkender Gase ausgesetzt oder wo sie in fortdauernder Berührung mit kohlenstoffarmem flüssigem Eisen sein würden, da dieses durch Kohlenstoffaufnahme die Steine auflösen würde; eine Verbrennung der Steine würde auch bei andauernder Berührung mit eisenreichen Schlacken eintreten, deren Eisenoxydulgehalt durch den Kohlenstoff der Steine zu Eisen reduziert würde.

Zur Herstellung der Kohlenstoffsteine benutzt man guten Gießereikoks mit möglichst niedrigem Aschengehalt, der gemahlen und mit Steinkohlenteer im Verhältnis 4 : 1 gemischt wird, dem durch Destillation der Wassergehalt und die Leichtöle entzogen sind. Aus dieser Masse werden die Steine in Formen aufgestampft und hierauf getrocknet. Nach dem Trocknen werden die Steine gebrannt, wobei sie luftdicht in Muffeln, die aus Schamotteplatten aufgemauert werden, eingeschlossen sind. Die gebrannten Kohlenstoffsteine sind sehr hart, besitzen dichtes, feinkörniges Gefüge und geben beim Anschlagen mit dem Hammer einen hellen Klang. Ihr spez. Gew. ist 1,2–1,4. – Auch gewisse natürliche Steine haben eine ziemlich hohe Feuerfestigkeit; dazu gehören verschiedene Sandsteine, Quarzschiefer, Quarzite, Grauwackensteine u.s.w. Vgl. a. Steinprüfung und Tonwaren.


Literatur: [1] Wernicke, Fr., Die Fabrikation der feuerfesten Steine, Berlin 1905. – [2] »Stahl und Eisen« 1890, S. 112. – [3] Gießerei-Ztg. 1908, S. 493.

Dümmler. A. Widmaier.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8 Stuttgart, Leipzig 1910., S. 284.
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