Überlingen

[859] Überlingen, Bezirksamtsstadt im bad. Kreis Konstanz, am Überlinger See, der nordwestlichen Bucht des Bodensees, an der Staatsbahnlinie Stahringen-Friedrichshafen, 410 m ü. M. hat 4 kath. Kirchen, darunter die fünfschiffige gotische Münsterkirche mit bedeutenden Kunstwerken und der 88,5 dz schweren Glocke Osanna, eine evang. Kirche, ein altes Rathaus mit prächtigen Holzschnitzereien von 1494, eine alte Stadtkanzlei (eine Perle deutscher Renaissance von 1598), die sogen. Burg des Alemannenherzogs Gunzo mit dem Bilde Gunzos und der Jahreszahl 641, mehrere Patrizierhöfe, darunter derjenige der Herren Reichlin von Meldegg (von 1462) mit der sogen. Luciuskapelle und schönem Bankettsaal (jetzt Bierbrauerei), alte Festungstürme und Tore und in Felsen gehauene Stadtgräben (jetzt in Promenaden umgewandelt), ein Denkmal des Pfarrers Wocheler, eine über der Stadt gelegene Johanniter- und Malteserkommende St. Johann, einen Hafen, eine erdig-salinische Mineralquelle von 14° mit Bad, Seebäder und (1905) 4379 Einw., davon 499 Evangelische und 6 Juden. In industrieller Beziehung sind zu nennen: Eisengießerei, Glockengießerei, Fabrikation von Feuerspritzen und Brauereieinrichtungen, mechanische Werkstätten, Orgelbau, Ateliers für kirchliche Kunst, Mühlen etc.; sonst hat die Stadt Weinbau, Obsthandel und Dampfschiffahrt. Ü. hat eine Realschule, ein Waisenhaus, eine Stadtbibliothek (30,000 Bände), ein kulturhistorisches und Naturalienkabinett und ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Hauptzoll- und eines Forstamtes. – Ü., im Altertum Iburinga, zuerst 1155 urkundlich erwähnt, erhielt 1275 von Rudolf von Habsburg ausgedehnte Privilegien, wurde 1397 Reichsstadt, trat dem Schwäbischen Städtebund bei und nahm 1377 am Städtekrieg teil. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt 1632 von Bernhard von Weimar erobert, 1634 von den Schweden unter Horn vergebens belagert, 1643 von den Württembergern unter Widerhold geplündert, 20. Mai 1644 von den Bayern nach viermonatiger Belagerung genommen und 1647 an die Schweden übergeben, die sie nach dem Westfälischen Frieden wieder räumten. 1803 fiel Ü. an Baden. Vgl. Staiger, Die Stadt Ü. sonst und jetzt (Überling. 1859); Schäfer, Wirtschafts- und Finanzgeschichte der Reichsstadt Ü. 1550–1628 (Bresl. 1893).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 859.
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