Avranches

[205] Avranches (spr. awrāngsch'), Arrondissementshauptstadt im franz. Depart. Manche, auf einer Anhöhe (102 m), am Küstenfluß See, nahe dem Meer, Knotenpunkt der Westbahn, hat ein Collège, eine Bibliothek, ein Museum, einen botanischen Garten, Fabrikation von Strümpfen, Spitzen, Leder, Trikot, Kerzen, Fischerei, lebhaften Handel, einen Hafen und zählt (1901) 7361 Einw. A. war bis 1801 Bischofssitz; die ehemalige Kathedrale ist im 18. Jahrh. zerstört worden. Unfern im SW. von A. liegt der Mont Saint-Michel (s. d.). Die Umgegend bildete die ehemalige Landschaft Avranchin.-A. ist das keltische Ingena, Hauptort der Abrinkatuer (daher später Abrinca genannt), einer der ältesten armorikanischen Orte, und war früher eine starke Festung. Sitz eigner Grafen seit dem 10. Jahrh., erhielt es durch den Scholastiker Lanfranc eine wichtige Schule. Später dem Haus Navarra angehörig, ward es 1404 nebst den übrigen Besitzungen jenes Hauses in der Normandie für das Herzogtum Nemours an die französische Krone abgetreten.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 205.
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