Baccelli

[226] Baccelli (spr. batschélli), Guido, ital. Arzt und Staatsmann. geb. 25. Nov. 1832 in Rom, studierte daselbst Medizin, war 1856–58 ebenda Professor der gerichtlichen Medizin und erreichte trotz der Vorurteile der Regierung die Errichtung eines Lehrstuhls der pathologischen Anatomie, auf dem er die moderne Richtung der Medizin vertrat. 1870 wurde er Professor der mebizinischen Klinik. 1874 wurde er in die italienische Deputiertenkammer gewählt, wo er sich der Linken anschloß. Dezember 1880 bis März 1884 war er unter Cairoli und Depretis Unterrichtsminister; seine Entlassung nahm er wegen der Angriffe gegen seinen Plan zur Reorganisation der italienischen Universitäten. Im Dezember 1890 wurde B. zum Senator des Königreichs ernannt; vom Dezember 1893 bis zum März 1896 war er unter Crispi, vom Juni 1898 bis zum Juni 1900 unter Pelloux wiederum Unterrichtsminister. 1901 wurde er Ackerbauminister im Kabinett Zanardelli. B. hat sich große Verdienste um das italienische Universitätswesen und um die Volksschulen erworben, auch förderte er die Ausgrabungen in Rom, namentlich auf dem Forum. Viel erörtert wuroen seine Vorschläge zur Gesundung der Campagna. Er arbeitete über die Krankheiten des Herzens und der großen Gefäße (vgl. seine »Patologia del cuore e dell' aorta«, Rom 1864–67, 3 Bde.), über Typhus, Blutkrankheiten, Malaria und Neubildungen in der Bauchhöhle. Auch gab er ein Verfahren zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche an.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 226.
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