Barras [2]

[394] Barras (spr. -rá oder rás), Paul Jean François Nicolas, Graf von, Mitglied des französischen Direktoriums, geb. 30. Juni 1755 in Fos-Emphoux (Var) aus altadligem Geschlecht, gest. 29. Jan. 1829 in Chaillot, kam als Leutnant nach Ile de France und von da nach Ostindien, wo er gegen die Briten kämpfte. Nachdem er als Kapitän seinen Abschied genommen, lebte er in Paris ausschweifenden Vergnügungen, erfaßte aber 1789 eifrig die neuen Ziele, beteiligte sich an der Erstürmung der Bastille (14. Juli 1789) und an der der Tuilerien (10. Aug. 1792). Im September in den Konvent gewählt, schloß er sich der Partei des Berges an und leitete die Belagerung von Toulon. Am 9. Thermidor (27. Juli 1794) zum Oberbefehlshaber der bewaffneten Macht in Paris ernannt, zersprengte er die Truppen Henriots und bemächtigte sich der Person Robespierres. Seitdem zeigte sich B. gemäßigter und suspendierte die Guillotinierung einer Menge Verurteilter. Am 13. Vendémiaire (5. Okt. 1795) betraute er als Oberbefehlshaber den jungen General Bonaparte mit der Niederwerfung der aufständischen royalistischen Sektionen der Pariser Nationalgarde. Nach Einsetzung des Direktoriums war er dessen einflußreichstes Mitglied und der Gönner Bonapartes. Am 18. Fructidor (4. Sept. 1797) beseitigte er durch einen Staatsstreich seine angeblich royalistischen Gegner aus den beiden Räten, machte sich aber durch Habgier und Genußsucht so unbeliebt, daß Bonaparte ihn 9. Nov. 1799 stürzen konnte. B. zog sich nun auf sein Schloß Grosbois zurück. Nach der ersten Restauration der Bourbonen kaufte er bei Paris das Landgut Chaillot, wo er ein glänzendes Leben führte. Seine von H. Duruy herausgegebenen Memoiren (Par. 1896, 4 Bde.; deutsch, Stuttg. 1896) sind großsprecherisch und unzuverlässig, überdies nur in der entstellenden Bearbeitung Rousselins vorhanden.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 394.
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