Crin végétal

[346] Crin végétal (franz., spr. kräng-wēs-chetall), vegetabilisches Ersatzmittel für Roßhaare, kommt von sehr verschiedener Beschaffenheit und Abstammung in den Handel. Ein wenig elastisches und auch nicht sehr dauerhaftes Material ist das Alpengras (s. Carex).[346] Ungleich besser sind die gespaltenen Blätter der Zwergpalme Chamaerops humilis, die als C. d'Afrique (afrikan isch es Pferdehaar), C. Aversing aus Algerien ausgeführt werden. Man färbt das grünliche Material auch schwarz und verwendet es in Europa sehr allgemein. Ejoo, Gomuti-Fibre von der indischen Arenga saccharifera und die Kitool von Caryota mitis auf Réunion und C. urens in Indien bleiben nach dem Abfall der Wedel als schwarzer Rest der Gefäßbündel an den Stämmen der genannten Palmen zurück. Diese Fasern übertreffen die beiden ersten Materialien; aber weitaus das beste C. bildet die Caragate (Baumhaar), das Gefäßbündel der Luftwurzeln einer im tropischen Amerika auf Bäumen schmarotzenden Bromeliazee, Tillandsia usneoides. Die Faser wird 22 cm lang, steht an Elastizität und Festigkeit dem Roßhaar sehr nahe, bildet aber in Abständen von einigen Zentimetern verzweigte Fasern und entwickelt beim Verbrennen nicht den bekannten Geruch, den verbrennendes Haar gibt. Sie wird hauptsächlich von New Orleans ausgeführt. Auch die Dattelpalme und die afrikanische Weinpalme (Raphia vinifera) liefern C.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 346-347.
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