Decke [1]

[568] Decke, in der Baukunst der obere Abschluß eines Gebäuderaumes (Zimmers etc.). Sie ist entweder mit dem Dach eins und besteht dann gewöhnlich unmittelbar in dem irgendwie nach unten raumabschließend behandelten Dachstuhl (s.d.), oder sie ist Geschoßdecke und bildet dann zugleich den Fußboden des darüber liegenden Raumes. Den Baustoffen nach sind die Decken Steindecken, Holzdecken, Eisendecken oder Decken gemischter Konstruktion. Die Steindecken können Gewölbe (s.d.) oder Steinbalkendecken sein. Letztere kommen heute selten vor, wurden aber von den Alten namentlich beim Tempelbau vielfach angewendet. Man stellte sie durch rechtwinkelig oder mit diagonaler Vorkragung übereinandergelegte, in den untern Lagen stärkere, oben schwächere Blöcke her, die dann mit gefeldert-ausgehöhlten Platten (Kassetten) abgeschlossen wurden (Kassettendecken). Sie sind schwerfällig und nur über kleinen Räumen möglich, aber sehr monumental. Die hölzernen Geschoßdecken bestehen gewöhnlich aus dem konstruktiven Gerippe: der Balkenlage (s. Gebälk), aus dem Fußboden, der Zwischendecke und der D. im engern Sinn, d. h. der untern Verkleidung, die entweder als sichtbare Holzdecke behandelt (s. unten), oder geschalt und mit Deckenputz, Stuck etc. versehen wird. Manchmal fehlt die Zwischendecke, und zwar bei ganz leichten Decken oder bei den nur in sehr holzreichen Gegenden vorkommenden Block- oder Dübel- (Döbbel-) Decken, die durch dicht an dicht liegende Balken, bez. durch ziemlich eng gelegte Balken gebildet sind, deren Zwischenräume durch dicht aneinandergelegte, verdübelte, oben mit Sand beschüttete Querhölzer gefüllt werden. Die Hauptarten der Zwischendecken sind bei Holzbalkendecken erstens die Windelboden. Sie bestehen aus Stakhölzern, die, mit Lehmstroh umwickelt, in die Balkenfächer eingeschoben und mit Lehm betragen werden. Je nachdem die Stakhölzer am untern Rand oder in der Mitte des Balkens eingeschoben oder oben aufgelegt werden, entsteht der ganze (Fig. 1), der halbe (Fig. 2) oder der gestreckte (Fig. 3) Windelboden. Der letztere erhält als Fußboden nur Estrich, keine Holzdielung od. dgl. Obgleich der Windelboden, namentlich der ganze, infolge seiner Wärme- und Schallundurchlässigkeit eine ausgezeichnete Konstruktion ist, wird heutzutage meist die Einschubdecke (Fig. 4) angewendet, bei der Bretter (meist Schwarten), sogen. Staken, in halber Balkenhöhe in Falze geschoben oder auf Leisten gelegt, mit Strohlehm verstrichen und dann mit trocknem, reinem Quarzsand, Koksasche u. dgl. betragen werden.

Fig. 1. Ganzer Windelboden.
Fig. 1. Ganzer Windelboden.
Fig. 2. Halber Windelboden.
Fig. 2. Halber Windelboden.
Fig. 3. Gestreckter Windelboden.
Fig. 3. Gestreckter Windelboden.
Fig. 4. Einschubdecke.
Fig. 4. Einschubdecke.

Bauschutt, humoser Boden, Lehm etc. empfehlen sich dazu nicht, da durch sie ein günstiger Boden für Mikroben geschaffen wird, oder durch Eindringen von Wasser beim Zimmerreinigen gesundheitsschädliche Fäulnisvorgänge eintreten. Unter den Staken bleibt das Gesach hohl. Durch verdoppelten Einschub erhält man die doppelte Einschubdecke. Decken, die nach Art des gestreckten Windelbodens, aber mit Schwartenstaken oder gestülpten Brettern statt der Windelstaken gebildet werden, heißen Stak-, bez. Stülpdecken. Wird die D. als sichtbare Holzdecke behandelt, so ist sie entweder sichtbare Balkendecke oder Bretterdecke (getäfelte D.). Bei ersterer werden die sichtbaren Balkenteile gehobelt, meist profiliert und auf Mauerlatten oder Kragsteine oder beides verlegt. Zur größern Tragfähigkeit und Bereicherung der D. treten Unterzüge, Sattelhölzer, Klebpfosten mit Kopfbändern oder Knaggen etc. hinzu. Der Einschub wird dabei nach unten sauber und nach Art von Tafelwerk behandelt, und gern wird die D. dann durch Bemalung belebt. Bei Bretterdecken erstreckt sich das Getäfel auf die ganze Deckenfläche, der oft durch Unterbauen[568] kastenartiger Profilierungen reiches Relief und mannigfaltige, meist kassettenartige Gliederung gegeben wird. Solche Decken gehören vor allem der Renaissancezeit an, während dem Mittelalter mehr die sichtbaren Balkendecken eigentümlich sind. Geputzte Holzdecken werden entweder bemalt oder mit allerhand Stuck verziert und nach der Wand hin durch einfache geputzte oder aus Stuck hergestellte Voutengesimse vermittelt.

Fig. 5. Pariser Ausgußdecke.
Fig. 5. Pariser Ausgußdecke.

Eiserne Geschoßdecken werden oft den Holzdecken vorgezogen, um erhöhte Feuersicherheit zu erzielen, Fäulnis- (Schwamm-) Bildungen zu verhindern und vor allem, um an Konstruktionshöhe zu sparen und größere Räume zu überspannen. Es gibt eine Unzahl verschiedener Ausführungsweisen, die hier nur kurzangedeutet werden können. Reine Eisendecken sind selten, meist ist die Konstruktion, was übrigens ja auch, genau genommen, von den meisten Holzdecken gilt, eine gemischte.

Fig. 6. Eiseneinschubdecke mit Belageisen. a mit Backsteinen, b mit Eisenstäben gegen Flachdrücken und Verschieben gesichert.
Fig. 6. Eiseneinschubdecke mit Belageisen. a mit Backsteinen, b mit Eisenstäben gegen Flachdrücken und Verschieben gesichert.

Die häufigsten und besten Arten sind: a) Decken aus Eisenbalken (Trägern, s.d.) mit Holzfußboden und Holzunterschalung, event. auch mit Zwischendecke nach einer der angeführten Herstellungsweisen. b) Pariser Ausgußdecken. Die beste der verschiedenen Konstruktionen dieser Art ist wohl die in Fig. 5 dargestellte. Zwischen schmalflauschige I-Träger a werden Steifkrammen b geklemmt, auf diese parallel zu den Trägern Füllstäbe c gelegt und das so hergestellte Netzwerk auf einer untergebrachten Schalung, die später durch eine Deckenputzschicht g ersetzt wird, mit Mauergipsmörtel d ausgegossen.

Fig. 7. Trägerwellblechdecke. a Träger, b Wellblech, c Füllmaterial, d Fußbodenlager, e Dielung.
Fig. 7. Trägerwellblechdecke. a Träger, b Wellblech, c Füllmaterial, d Fußbodenlager, e Dielung.

Auf die Träger kommt ein Dielenboden e auf Lagern f. Auch Decken mit Zementkonkret-Ausstampfung werden ähnlich hergestellt. c) Eiseneinschubdecken mit Steinmaterialverfüllung. Zum Einschub zwischen den Trägern werden einzelne aneinandergereihte Belageisen tragfähiger Form (Zorès-Eisen, Fig. 6), Eisenwellblechtafeln (Fig. 7) oder Buckelplatten (Tragbleche, Fig. 8) verwendet.

Tabelle

d) Decken mit bombiertem Wellblech gleichen den Wellblecheinschubdecken, nur daß hier das Blech gewölbartig gekrümmt (bombiert) und dadurch wesentlich tragfähiger ist. Bei hoher Welle können die Träger unter Umständen ganz entbehrt werden (vgl. Dach).

Fig. 9. Wölbkappendecke mit massiv ummantelten Eisenträgern.
Fig. 9. Wölbkappendecke mit massiv ummantelten Eisenträgern.

Decken mit ausgesprochen gemischter Konstruktion sind ferner: e) Wölbkappen aus Voll- oder Hohlsteinen, auch Töpfen zwischen Eisenträgern. Erwünscht ist bei diesen, um sie ganz feuersicher zu machen, Umhüllung der untern Trägerflansche mit dem Steinmaterial (Fig. 9); f) Holzbalken aus oder zwischen Eisenträgern; g) Eisenträger mit Holzbohlenausfachung; h) Wölbkappen zwischen Holzbalken (selten und veraltet); i) Monierdecken (s. Monierbau); k) Rabitzdecken (s. Gipsdrahtbau); l) Gipsdieldecken (s. Gipsdielen); m) Glasdecken (s. Oberlicht) u. dgl. Besonders die neueste Zeit hat eine große Zahl massiver gemischter Deckenkonstruktionen, meist Zement-Eisendecken, hervorgebracht.

Fig. 10. Wingensche Decke.
Fig. 10. Wingensche Decke.

Zum Teil sind dieselben ihrem konstruktiven Wesen nach nichts andres als scheitrechte Gewölbe, üben also einen Seitenschub aus. So die Wingensche D. (Fig. 10), die aus Formsteinen besteht, deren mittlere Teile die eigentlich tragende Konstruktion, den flachen Wölbbogen, bilden, während oben und unten stark durchbrochene, resp ausgehöhlte Ansatzteile eine ebene Ober- und Unterfläche herstellen.

Fig. 11. Kleinesche Decke.
Fig. 11. Kleinesche Decke.

Die Hohlräume dienen vornehmlich zur Verringerung der Deckenlast, können aber auch zu Lüftungszwecken benutzt werden. Ferner die Förstersche[569] D., die aus Hohlsteinen bestimmten Formates besteht, die einen scheitrechten Bogen bilden. Zum größten Teil aber sind es Decken, die einen Seitenschub nicht ausüben. Die bemerkenswertesten von diesen sind: 1) die Kleinesche D. (Fig. 11, S. 569). Ihre Deckenplatte besteht zwischen Eisenträgern aus rechteckigen Schwemmsteinen oder porigen Lochsteinen in Zementmörtel, in deren von Träger zu Träger reichende Reihenfugen hochkantig gestellte Bandeisen eingelegt werden. 2) Die Schürmannsche D. (Gewölbeträgerdecke, Fig. 12) ist im Prinzip der Kleineschen verwandt, hat aber Eiseneinlagen von der Form Fig. 120 und nur in jeder dritten oder fünften Reihenfuge, zwischen denen die Ziegelreihen flach-gewölbeartig eingesetzt sind (vgl. Fig. 12 b, Längenschnitt).

Fig. 12a. Schürmannsche Decke. Detail
Fig. 12a. Schürmannsche Decke. Detail
Fig. 12b. Schürmannsche Decke.
Fig. 12b. Schürmannsche Decke.

3) Die Donathsche D.

Fig. 13. Donatsche Decke.
Fig. 13. Donatsche Decke.

An ein Stabnetz aus I-Eisen b und Flacheisen c (Fig. 13) zwischen Eisenträgern a wird ein Drahtgewebe d befestigt, das die erste Mörtelschicht e aufnimmt. Auf diese wird dann Beton f aufgebracht, der mit den I-Eisen b nach Art der Monierbauweise wirkt. Zu den Monierkonstruktionen im weitern Sinne gehören auch 4) die Koenensche Rippendecke (Fig. 14), die auf dem Gedanken beruht, daß die als I-Eisen gebildeten Rippen nicht als selbständige Träger, sondern mit dem sie umgebenden Betonkörper zusammen als einheitliches, sehr widerstandsfähiges Ganzes wirken, und 5) die Koenensche Voutendecke (Fig. 15), welche die Monierkonstruktion besonders für weite Spannweiten zwischen den Eisenträgern ausbildet.

Fig. 14. Koenensche Rippendecke.
Fig. 14. Koenensche Rippendecke.
Fig. 15. Koenensche Voutendecke.
Fig. 15. Koenensche Voutendecke.

Die Adamssche Schleifendecke, eine der vorigen verwandte, aber konstruktiv noch rationellere, aus Beton mit schleifenartigen Eiseneinlagen bestehende Deckenform.

Fig. 16. Deumlingsche Decke. a Vandeisen, b Ankersplint, c Ankerstangen, d Bandeisen, e Ankerschlüssel, f Rundeisen, g Drähte, h Steifen.
Fig. 16. Deumlingsche Decke. a Vandeisen, b Ankersplint, c Ankerstangen, d Bandeisen, e Ankerschlüssel, f Rundeisen, g Drähte, h Steifen.

7) Die Deumlingsche D., mit der man Raume gewöhnlicher Abmessungen ohne Zuhilfenahme eiserner Walzträger überspannen kann, wird durch ein System einzelner in verschiedenen Ebenen gespannter und in eigenartiger Weise zu einem Netz ausgesteifter Hängeträger vereinigter Drähte gebildet, das auf der Ober- und Unterfläche mit Drahtgeweben überspannt und dann auf vorläufiger Bretterunterlage mit erhärtender Steinmasse ausgefüllt wird (Fig. 16). 8) Die Stoltesche D. besteht aus einzelnen 25 cm breiten Quarzsandzementdielen mit Hohlräumen u. Bandeiseneinlagen (Fig. 17), die zwischen Eisenträgern einfach in Zementfuge aneinander geschoben werden. Darüber kommt leichter Füllboden, wenn nicht die ganze Deckenstärke durch die Dielen (dann Bimsstein-Zementdielen) ausgefüllt wird.

Fig. 17. Stoltesche Decke.
Fig. 17. Stoltesche Decke.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 568-570.
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