Ezzelīno da Romāno

[239] Ezzelīno da Romāno (Ezelin), das Haupt der Ghibellinen in Italien zur Zeit Kaiser Friedrichs II., geb. 25. April 1194, gest. 1259, stammte aus einem Adelsgeschlecht, dessen Ahnherren unter Konrad II. aus Deutschland in Italien eingewandert sein sollen. Schon von früher Jugend an nahm er an den Fehden seines Hauses Anteil, ward 1226 Podestà von Verona, verlor die Herrschaft über die Stadt 1227, gewann sie aber 1230 zurück und schloß sich 1232 seinem frühern Gegner Kaiser Friedrich II. aufs engste an, der ihm 1236 die Herrschaft über Vicenza, 1237 über Padua und Treviso übertrug und ihm 1238 seine natürliche Tochter Selvaggia zur Gattin gab. Von nun an verfolgte E. rastlos das Ziel, seinem Haus im Kampf gegen die Guelfen eine selbständige Macht zu erwerben, welche die ganze trevisanische Mark umfassen sollte, deren vom Kaiser ernannte Generalvikare seiner Oberleitung seit 1239 unterstellt waren. Die gewonnene Herrschaft hielt er mit grausamster Tyrannei fest, und das Schreckensregiment, das er aufrichtete, hat seinem Namen ein entsetzliches Andenken in der Geschichte Italiens verschafft. Gegen Kaiser Friedrich II. bewies er stets die größte Ergebenheit, wie er auch nachmals dessen Sohn Konrad IV. aufs eifrigste unterstützte. Allgemein gehaßt, trotzte er allen Feinden durch seine Wachsamkeit und seine Macht, gegen die auch der Bannfluch des Papstes nichts vermochte. Als er 1256 Mantua angriff, zog ein Kreuzheer unter Erzbischof Philipp von Ravenna, dem sich[239] die Flüchtlinge Paduas, Vicenzas, Trevisos und andrer Städte anschlossen, gegen ihn und eroberte im Juni Padua, ward jedoch bei Torricella (1. Sept. 1258) gänzlich geschlagen. Als er aber mit Hilfe der Adelspartei in Mailand auch diese Stadt sich zu unterwerfen strebte, bildete sich ein neuer Bund gegen ihn, an dem auch König Manfred von Sizilien teilnahm. E. wurde 27. Sept. 1259 bei Soncino geschlagen, fiel in Gefangenschaft und starb wenige Tage darauf. Sein Bruder Alberich mußte ein Jahr später, 25. Aug. 1260, durch Hunger gezwungen, sein Schloß San Zeno ohne Bedingung übergeben und wurde, nachdem man seine Söhne und Töchter vor seinen Augen unter gräßlichen Martern getötet hatte, an den Schweif eines Pferdes gebunden und zu Tode geschleift. Mit ihm erlosch das Geschlecht der Romano. Ezzelinos Leben und Ende wurde mehrfach poetisch bearbeitet, so von Cantù in einem Roman, von Eichendorff in einem Drama: »E. von Romano«, und von G. Pfizer in einem Romanzenkranz. Vgl. Verci, Storia degli Ezzelini (Bassano 1779; Vened. 1844, 3 Bde.); Gittermann, E. von Romano (1. Teil, bis 1244 reichend, Stuttg. 1890); S. Mitis, Storia d'Ezzelino IV da Romano (Maddaloni 1896).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 239-240.
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