Orīon [2]

[122] Orīon, 1) im griech. Mythus ein schöner, riesiger Jäger, Sohn des Königs Hyrieus in Böotien oder des Poseidon, der ihm die Gaben über das Meer zu gehen verlieh, oder ein Erdgeborner. Als Hera seine sich mit ihr an Schönheit messende Gattin Side in den Hades geworfen, wirbt er um Merope, Tochter des Önopion von Chios, vergreift sich, trunken, an ihr und wird vom Vater im Schlafe geblendet. Er tastet sich nach Lemnos, nimmt Hephästos' Gesellen[122] Kedalion auf die Schultern und läßt sich zum Ausgang der Sonne führen, deren Strahlen sein Augenlicht wieder entzünden. Von Eos geliebt und nach Delos entführt, tötet ihn Artemis auf Geheiß der Götter, nach andern, weil er ihr nachstellt. Oder er stirbt in Kreta durch den Stich eines von Gäa auf seine Drohung, alle Tiere auf Erden zu erlegen, gesandten Skorpions. Oder er verfolgt die Plejaden (s. d.) fünf Jahre, bis Zeus diese und ihn samt seinem Hunde Sirius in Sterne verwandelt. Schon Homer kennt das Sternbild des O. und Sirius. Seine von Aphrodite mit Schönheit, von Athene mit Webekunst begabten Töchter Menippe und Metioche durchstachen sich, als zur Abwendung einer Pest in Böotien das Opfer zweier Jungfrauen verlangt ward, freiwillig die Kehlen mit dem Weberschiffchen, worauf sie in Kometen verwandelt wurden.

2) Griech. Grammatiker, aus Theben in Ägypten, um 450 n. Chr. in Konstantinopel und Cäsarea tätig, verfaßte ein etymologisches Lexikon, die Quelle der etymologischen Kompilationen des Mittelalters (s. Etymologicum); es ist nur trümmerhaft erhalten (hrsg. von Sturz, Leipz. 1820), ebenso die für die Kaiserin Eudokia angefertigte Blumenlese von Sentenzen aus ältern Dichtern (»Antholognomicum«, hrsg. von Meineke in »Stobaei florilegium«, Bd. 4, das. 1857). Vgl. Ritschl, De Oro et OrioneOpuscula«, Bd. 1, Leipz. 1867).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 122-123.
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