Raa

[775] Raa (lat. Antenna), diejenigen Segelstangen, welche quer am Maste hängen u. in ihrer Mitte an demselben befestigt sind. In der Mitte sind die Raaen dicker u. nehmen nach den Enden zu ab. Die beiden äußersten Enden heißen die Nocken (lat. Cornua, gr. Akrokerala). Die Raaen sind von Tannenholz, u. nach dessen Güte richtet es sich, wie dick sie sein müssen. Ihre Länge bestimmt sich nach der Breite der Segel, zu denen sie gehören; die Nocken ragen aber über das Segel hinaus. Wenn die Dicke einer R. so beträchtlich ist, daß sie nicht aus einem einzigen Baum gemacht werden kann, so setzt man sie aus zwei, drei od. vier Stücken zusammen, wie es bei den unteren Raaen der Kriegsschiffe fast immer der Fall ist. Die Zusammensetzung geschieht in ähnlicher Weise, wie bei den Masten, doch sind die Zähne, welche ineinander gefügt werden sollen, gewöhnlich trapezoidisch. Die unteren Raaen u. die Marsraaen werden bei günstigem Winde noch durch die schiebbaren Leesegelspieren verlängert. Die Raaen bekommen ihre Namen von den Segeln, welche sie tragen. Auf einem dreimastigen fregattisch zugetakelten Schiffe heißen sie folgendermaßen: Große R., welche das Großsegel trägt; Große Marsraa, trägt das Großmarssegel; Große Bramraa, Große Oberbramraa, Fockraa, Vormarsraa, Vorbramraa, Obervorbramraa (Voroberbramraa), welche sämmtlich in gleicher Weise benannte Segel tragen; Baginraa, trägt gar kein Segel, sondern dient nur die Schooten des Kreuzsegels zu spannen u. hängt deshalb an dem Besahnmast. Auf Schmacken, Kussen u. dgl. Fahrzeugen heißt Baginraa diejenige, an welche die Brefock geschlagen wird, wenn man vor dem Winde segelt; Kreuzraa, Kreuzbramraa, Oberkreuzbramraa, Blinde R., Oberblinderaa (Schiebblinderaa), Brodwinnerraa (Treiberraa), welche ebenfalls sämmtlich gleichbenannte Segel tragen; Leesegelraa, eine kleine R, woran ein Leesegel hängt; Lateinische R., bei den Italienern, Franzosen, Spaniern u. Portugiesen die Raaen der Galeeren, Schebecken, Tartanen etc.; sie stehen schräg am Mast u. tragen ein dreieckiges Segel. Die lateinischen Raaen u. Segel sind vorzugsweise auf dem Mittelmeere in Gebrauch. Den unteren Theil der R. nennen die Italiener Carro, den oberen Penna.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 775.
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