Westermann

[124] Westermann, 1) Franz Joseph, geb. 1764 zu Molsheim im Elsaß, wurde in der Revolution ein Hauptjakobiner in Elsaß, ging dann nach Paris, vereinigte sich dort mit Danton u. spielte am 10. Aug. 1792 eine bedeutende Rolle. Zum Generaladjutanten ernannt, wurde er insgeheim an Dumouriez gesendet u. blieb dann in seinem Grade bei dessen Armee, aber nach Dumouriez' Übergang zu den Österreichern wurde auch W. verhaftet u. erst im Mai 1793 freigelassen. Zum Brigadegeneral avancirt, wurde er in die Vendée geschickt, wo er die Nordlegion commandirte u. zuerst das Verwüstungssystem des Landes durch Feuer in Anwendung brachte, s.u. Vendéekrieg S. 396 ff. Als er 1794 nach Paris zurückkehrte, wurde er von dem Wohlfahrtsausschuß vor Gericht gezogen, weil damals Danton u. seine Anhänger von Robespierre verfolgt wurden, u. ob ihn gleich der Nationalconvent unter seinen Schutz nahm, wurde er doch am 5. April 1794 als Mitschuldiger Dumonriez verurtheilt u. mit Danton u. Anderen hingerichtet. 2) Anton, geb. 18. Juni 1806 in Leipzig, studirte daselbst Philologie, habilitirte sich durch die Schrift De publicis Atheniensium honoribus ac praemiis 1830 als Privatdocent an der dortigen Universität u. wurde 1833 außerordentlicher u. 1834 ordentlicher Professor der klassischen Alterthumskunde; er schr. u.a.: Quaestiones Demosthenicae, Lpz. 1830–37; Geschichte der Beredtsamkeit in Griechenland u. Rom, ebd. 1833–35, 2 Bde.; Untersuchungen über die in die Attischen Redner eingelegten Urkunden, Lpz. 1850; lieferte kritische Ausgaben der Vitae decem oratorum, Quedlinb. 1833; der Paradoxographi graeci, Braunschw. 1839; des Stephanus Byzant., Lpz. 1839; von Plutarchs Vita Solonis, Braunschw. 1840; der Mythographi graeci, ebd. 1843; der Biographi graeci minores, ebd. 1845 u. des Philostratus, Par. 1849, des Lysias, Lpz. 1853, von ausgewählten Reden des Demosthenes, 1850–52, 3 Bde. (wovon Bd. 1 u. 2 in 4. u. 3. Aufl. 1860); von G. J. Voß' De historicis graecis, Lpz. 1838; übersetzte Leake's Demen von Attika, Braunschw. 1840, u. ausgewählte Reden des Demosthenes, Äschines u. Lysias, Stuttg. 1856–63, u. gab nächst den gemeinschaftlich von ihm mit Funkhänel begründeten Acta societatis graecae (Lpz. 1836–40, 2 Bde.) eine Reihe von akademischen Gelegenheitsschriften heraus, welche sich theils auf die griechischen Historiker u. Epistolographen, theils u. vorzüglich auf die attischen Redner beziehen, wie die Abhandlungen De litis instrumentis quae exstant in Demosthenis oratione in Midiam, 1844; Commutationes crit. in scriptores graecos, 1846–56; De jurisjurandi judicum Atheniensium formula quae exstat in Demosthenis oratione in Timocratem, 1858 f.; Quaestiones Lysiacae, 1860–64; Index graecitatis Hyperideae, 1860–64.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 19. Altenburg 1865, S. 124.
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