Willems

[233] Willems, Jean François, geb. 11. März 1793 in Bouchout bei Antwerpen, betheiligte sich an dem poetischen Vereine in Lier u. stand seit 1809 bei einem Notar in Antwerpen. Er beschäftigte sich hier fortwährend mit der Poesie in Vlämischer Sprache u. gewann namentlich 1811 den Preis mit seinem Lobgedicht auf die Schlacht bei Friedland: später schrieb er vlämisch, Geschichte der niederländischen Literatur in Belgien, Antw. 1818–24, 2 Bde., u. trat nun an die Spitze der Opposition der niederdeutschen Sprache gegen die französische. Wegen seines Geharnischten Briefes an Stassart u. van der Weyher über diesen Gegenstand wurde er 1830, als diese aus Ruder kamen, von Antwerpen, wo er ein einträgliches Amt bekleidete, in ein anderes zu Encloo versetzt. Erst 1835 erhielt er auf Verwenden seiner Freunde wieder ein besseres Amt in Gent u. st. daselbst 24. Juni 1846. Noch[233] in Encloo übertrug er den altvlämischen Text von Reinecke Fuchs ins moderne Niederdeutsche u. ließ dieser Übersetzung einen Aufruf an die Vlaminger vorausgehen, welcher die größten Wirkungen hatte, indem nun der ganze flamländische Theil Belgiens sich mit Eifer seiner Sprache annahm. Er gab noch heraus Reineke Vos im Urtext, Gent 1836, 2. A. 1850; Van de Klerks Gesten der Hertogen van Brabant; Belgisch Museum, eine Zeitschrift, seit 1837, u. schr. noch Dissertation sur la langue flamande, 1819, Gedichte u. Komödien u. wirkte fortwährend auf Erhebung des flamländischen Geistes, welcher sich immer mehr seit 1840 dem deutschen anschloß. Ihm wurde auf dem Amandsberge bei Brüssel ein Denkmal errichtet.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 19. Altenburg 1865, S. 233-234.
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