Acht (cura, attentio, aestimatio)

Acht (cura, attentio, aestimatio).


1. Acht gegeben, es sind Schindeln auf dem Dache.Steiger, 420.

Empfiehlt Vorsicht im Reden in Gegenwart der Jugend, welche so leicht Feuer fängt, wie ein Schindeldach.


2. Besser in der Acht, denn in der Hacht.

Entweder: Besser verbannt als gefangen, verhaftet; oder allgemeiner: Besser mit Vorsicht handeln, als wegen Gesetzesübertretungen Strafen erleiden.

Lat.: Cum licet fugere, ne quaere litem. Philippi, I, 102; Seybold, 101. – In compitis esse praestat, quam in compedibus. – Melius est proscribi, quam carceri includi. – Praestat uni malo obnoxium esse quam duobus. (Tappius, 8b.)


3. Gib Acht, dass man aus dir keinen Affen (Narren) macht.


4. Gib Acht, gib Acht! ist kein Gift für Ratten.

Mit dem blossen Reden ist's oft nicht gethan, es gilt zugreifen.


5. Gib Acht ist mehr als Reue.


6. Hab Acht auf die Schanze!


7. Hab Acht, dass du dir's nicht versalzest!


8. Hab Acht, dass du nicht auf das Maul fallest!


9. Hab Acht, dass du nicht an einen Stock fahrest!


10. Hab Acht, dass du nicht selbst aus dem Sattel reitest!


11. Wer Acht hat, findet, und wer arbeitet, hat auch zu schlachten.

Ist im Wohlstande, im Besitz von Schlachtthieren.


12. Wer sich nicht selber nimmt in Acht, bei dem nützt weder Hut noch Wacht.


13. Wer sich nimmt in Acht, der braucht wenig Wacht.

Lat.: Mater timidi flere non solet.


*14. Er gibt Acht wie ein Heftelmacher.

Von jemand, der mit Anstrengung auf etwas merkt.


*15. Er nimmt's in Acht, wie einen Topf.

Diese Redensart der Litauer ist wahrscheinlich entstanden, als sie den Gebrauch der irdenen Töpfe kennen lernten und diese noch sehr selten waren. Sie umflochten daher dieselben so sehr mit Draht, dass man das Geschirr selbst kaum hindurch erblicken konnte, um es vor dem Zerbrechen zu bewahren. (Wurzbach, I, 34.)


[Zusätze und Ergänzungen]

zu2.

Franck, II, 7b; Latendorf I, 6; Simrock, 53.Ueber die Uebergänge des fl und cht ineinander vgl. Schiller 3b, S. 40b.


16. Acht dir nichts, g'schieht dir nichts. (Steierm.)


17. Die Acht vnd Macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.Henisch, 1512, 52; Schottel, 1120b; Petri, II, 122.


18. Gib Acht, sonst kommst du fremde Hände in die Haar über.Kirchhofer, 179.


19. Hab acht, dass du nicht das Maul verfallest. Lehmann, 68, 12.


20. Hab acht, dass du nicht das muhs versalst.


21. Hab acht, dass du nicht Russ fangest.


22. Hab acht vff dich vnd die deinen, du hast nicht, die dich trewlich meinen.


23. Hab auff dich selber acht.Petri, II, 368.


24. Nehmet euch in Acht vor den Bächen, die von Thieren sprechen.

Spöttischer Zuruf an die Franzosen mit Bezug auf ihre unglücklichen Schlachten bei Rossbach und an der Katzbach. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1859, 137a.)


25. Nimm dich in Acht ist ein gut Wort.

Engl.: Take heed is a good read. (Bohn, II, 102.)

Span.: Cuyda bien de lo que hazes no te fies da rapáces. (Bohn II, 102.)


*26. Nimm dich in Acht, klä Hols is hie. (Oberharz.)

Ermahnung zur Vorsicht bei unberufenen Zuhörern.


*27. Nimm dich in Acht vor Wetterschaden.

Eine allgemeine Warnung.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 705.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Jean Paul

Selberlebensbeschreibung

Selberlebensbeschreibung

Schon der Titel, der auch damals kein geläufiges Synonym für »Autobiografie« war, zeigt den skurril humorvollen Stil des Autors Jean Paul, der in den letzten Jahren vor seiner Erblindung seine Jugenderinnerungen aufgeschrieben und in drei »Vorlesungen« angeordnet hat. »Ich bin ein Ich« stellt er dabei selbstbewußt fest.

56 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon