Beissen

1. Beiss in den Pelz, wenn du böse bist.


2. Die sich vntereinander beissen, mögen wol zusehen, dass sie nicht vntereinander verzehrt werden.Henisch, 266.


3. Es beisset mich, wann ich den andern sehe jucken sich.Lehmann, II, 490, 25.


4. Es beisst kein Wolf den andern.


5. Es beisst nicht jeder Hund, der bellt.


6. Es möchte mancher beissen, wenn er nur Zähne hätte.

Von eingebildeter Wichtigkeit.


7. Niemand beisst sich in seine eigene Hand.


8. Sie beissen nicht alle, die die Zähne weisen. Winckler, I, 34.

Frz.: Tout chien qui aboie, ne mord pas. (Cahier, 9.)


9. Was einen nicht beisst, muss man nicht kratzen.Kirchhofer, 151.


10. Wen es beisst, der kratze sich.Kirchhofer, 154.

Wer sich getroffen findet, der nehme sich bei der Nase.

Frz.: Qui a la gale, la gratte. – Qui se sent galeux se gratte. – Qui se sent morveux se mouche.


[304] 11. Wenn er beisst, so schlingt er nicht, sagt der Schuljunge, als der Schulmeister eine Strafpredigt hielt. (Oberlausitz.)

Wortspiel mit beissen, das hier provinziell für keifen = schelten, steht.


12. Wenn man nicht beissen kann, muss man nicht bellen.


13. Wer mich beisst, den kratz' ich.

Frz.: Je lui ai rendu la monnaie de sa pièce. (Lendroy, 1204.)


14. Wer nicht beissen (kann) will, muss die Zähne nicht zeigen.

Engl.: Don't bark if you Can't bite. – If you cannot bite, never shew your teeth. (Cahier, 4397-98.)

Frz.: Quand on ne peut mordre il ne faut pas aboyer.


15. Wer nichts zu beissen hat, sieht andern neidisch auf den Mund.Philippi, I, 130.

Lat.: Edentulus vescentium dentibus invidet. (Hieron.) (Seybold, 144.)


16. Wer nichts zu beissen und zu brocken hat, dem vergeht wol der Kitzel.


17. Wo es mich beisst, darf ich nicht kratzen.


18. Wo weder zu beissen noch zu brocken ist, da ist wenig Lust.


*19. A best1 wie a Krautfuchs.Gomolcke, 5.

1) Keift, zankt.


*20. Beess an Pelz, wenn du bîse bist.Gomolcke, 281.


*21. Bit'n as'n Kednhund.

Holl.: Hij maauwt en bijt van zich als eene bleekers teef. (Harrebomée, I, 60.)


*22. Das kan i nöt beissen. (Oesterr.) – Idiotikon Austr.

Behagt mir nicht, ich kann's nicht vertragen.


*23. Ei so beiss.


*24. Er beisst sich in einen Finger um den andern. (Landeshut in Schlesien.)

Zur Bezeichnung grosser Verlegenheit.

*25. Er beisst um sich wie ein Dachs.


*26. Er beisst wie der Hund danach.

Der in den Stein beisst und den, der ihn warf, unangefochten gehen lässt.


*27. Er beisst wie ein Krautfuchs.

Vom Zänkischen.


*28. Er bisse nicht, wenn man ihm auch die Finger ins Maul steckte.Sailer, 60.

Von einem äusserst Sanftmüthigen.


*29. Er hat weder zu beissen, noch zu brocken (brechen, nagen).Agricola, I, 706; Tappius, 152b; Sailer, 309.

Es fehlt ihm sowol an Nahrungsmitteln als an Brennstoff.


*30. Er hat zu beissen und zu brocken.Simrock, 900.


*31. Er wird ihn nicht beissen. (Ostpreuss.)

Wird ihm nicht beschwerlich fallen; oder auch von jemand, von dem man aus mancherlei Gründen vermuthen kann, dass er dem andern in irgendeiner zu schlichtenden Streitsache nicht schaden werde.


*32. Er wollte schon beissen, es fehlen ihm nur die Zähne.


*33. Es beisst einen so schier ein kleiner hund als ein grosser.Henisch, 266.


*34. Es beisst und schlägt nicht.

Es hilft weder, noch schadet's.


*35. Kann er nicht beissen, so kratzt er doch.

Frz.: S'il ne mord, s'il ne peut mordre, il égratigne.


*36. Nix zu beisse', nix zu schleisse'. (Jüd.- deutsch.)Tendlau, 209.

Von einem, der weder Brot noch Kleidung hat. Schleissen (oberdeutsch) = abreissen, abnützen.


*37. Wenn er nichts zu beissen hat, so mag er an den Fingern saugen.

Hat er nichts, so sehe er zu, wo er etwas bekommt.

Frz.: S'il n'a pas de quoi, qu'il en gratte.


[305]

zu14.

It.: Se non puoi mordere, non mostrar mai i denti. (Bohn I, 126.)


38. Beiss, wenn du keine Zähne hast.


39. Der kann auch beissen, der nicht alle Zähne hat.Hackländer, Illustrirte Zeitung, 1860, S. 61.


40. Du sast mi net no einmol buit, hat de Biuer sagt, dau hedde hei op den Hering trûen. (Sauerland.)


41. Eist (erst) mög me därin buiten, un hernocher (nachher) darin schuiten. (Sauerland.)


42. Hier beisst's mich, da beisst's mich. Flöhe hab' ich nich, Läuse auch nich; die schwarze Hopsassa ist's nich, drum muss 's die weisse Sachtmarschier' sein. (S. Fliege, Nachtr.) (Jerrentowitz.) – Frischbier, II, 324.


43. Mit Bêten und mit Kêfen, mit Schlån und mit Rêfen kimt me zesammen.Frommann, III, 411, 419.


44. Ob dir schon einer lang thut beiten, er will dich drumb der schuld nicht queiten.

Lat.: Expectans longe, non uult dimittere quaeque. (Loci comm., 38.)


45. Was dich beisst, beisse wieder.

Wenn jemand klagt, dass eine Speise, ein Gewürz, z.B. Pfeffer, beisse.


46. Wer beisst, wird gebissen.

Port.: Morder a quem morde. (Bohn I, 283.)


47. Wo's ein nid bîsst, da sol m' nid chratze. (Bern.) – Zyro, 77.


*48. De bött on schleit on rennt ok noch Mönsche äwer.Frischbier, I, 306.

Spottweise von einem Zornigen.


*49. Der beisst nicht mehr.

Ist besiegt, beseitigt, unschädlich gemacht.


*50. Er beisst auf beiden Backen, wie ein Maikäfer. (Nürtingen.)


[950] *51. Er beisst nicht auf den Frosch.Klix, 16.


*52. Er hat schmal beissen.Frischbier, II, 323.


*53. Er wird ihn nicht beissen.Hennig, 24; Frischbier, I, 305.


*54. Er wird von dem einen gebissen, vom andern gestossen. (S. Bock, Weg, Wolf, Zwickmühle.)Lehmann, 936, 1.


*55. Et mag (mut) bîten oder trêken.Schütz, I, 107.

Die Sache muss durchgesetzt werden.


*56. Hä biest op de Zang wie 'nen dude Höptelecker (oder: wie e kopott Hohn).


*57. Ich dachte was mich bisse.

Ich vermuthete irrthümlich, dass mir was Grosses, Schlimmes, Ungewöhnliches oder Erfreuliches begegnet sei.


*58. Sich beissen vnd fressen wie die Fleischerhunde.Mathesy, 357a.


*59. Sich beissen wie Kerner's Gaul.Fischer, Psalter, 732, 2.


*60. Sich untereinander beissen und fressen. Luther's Tischr., 1402.


*61. Vmb sich beissen wie ein Vnger.Mathesy, 215a.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 950-951.
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