Elend (Subst.)

Elend (Subst.).


1. Das Elend ist uns angetraut wie eine Frau. (Lit.)

Unter Elend wird hier besonders der Frondienst gemeint, wenigstens wird das vorstehende Sprichwort vorzüglich in diesem Sinne angewandt.


2. Das grösste Elend ist, kein Elend tragen können.Simrock, 2026.


3. Elend bringt pein.Petri, II, 239.


4. Elend Gott wend't.


5. Elend ist Grabscheit.


6. Elend ist mitleidenswerth.Henisch, 837; Petri, II, 239.


7. Elend ist unbegrabner Tod.Sailer, 195; Simrock, 2025.


8. Elend ist vberall vngehalt.Henisch, 873; Petri, II, 239.


9. Elend nicht schad't, wer Tugend hat.


10. Elend thut krencken.Henisch, 873.


11. Elend und Noth machen den Menschen todt.


12. Elend vnd armut vertreibt alle diebe.Henisch, 873; Petri, II, 239.


13. Es ist ein grosses Elend, Brot und keine Zähne haben.Winckler, XVIII, 57.

Das geht noch an, man kann sich Brotsuppen davon bereiten; Zähne und kein Brot haben, ist offenbar schlimmer.


14. Gross Elend kommt über Nacht.

Dän.: Største elendighed at komme i uforvarendes elendighed. (Prov. dan., 141.)


15. Wäre nicht Elend und Plage, so wär' Weihnachten alle Tage.


16. Wat is 't en Elend, wenn rîke Lü keen Geld hebbt. (Oldenburg.) – Weserzeitung, 4097.

Von denen, die sich durch unüberlegte Unternehmungen in Geldverlegenheiten gebracht haben.


17. Wer aus dem Elend gerettet ist, hat das Gedächtniss verloren.


18. Wer einem Elende entgangen ist, auf den wird in irgendeinem Winkel ein anderes lauern.

19. Wer Elend nicht erfahren, versteht nicht es zu bemitleiden.


20. Wer Elend sucht, braucht keine Brille.


21. Wer im Elende ist, muss sich wenden, wie er kann.


22. Wer im Elende leben soll, dem wird es an Elend nicht fehlen; und wer schaffen soll, der wird überall zu thun finden.


23. Wer sein Elend bergen kann, der ist kein elend Mann.

Dän.: Den bærer elendighed best, som kand skjule den mest. (Prov. dan., 141.)


24. Wer sein Elend erkennt, fährt mit zehn Pferden nach Glück.


25. Wir sind im Elend, wie eine Maus in den Träbern. (Lit.)

Lat.: Omne malum est infra lunam. (Binder II, 2371; Palingen, 8, 244.)


*26. Das Elend bauen.Grimm, III, 406, 1a; Schottel, 1117a.

Die Grundbedeutung des Wortes Elend ist aus der starken Liebe zur Heimat hervorgegangen und bezeichnet das Wohnen im Auslande, in der Fremde. In diesem Sinne steht es in der obigen Redensart, die soviel heisst, als in einem fremden Lande wohnen. Da Fremde und Verbannung wehe thun und unglücklich machen, so nahm das Wort Elend allmählich die allgemeine Bedeutung von miseria an und seine ursprüngliche trat dagegen zurück. In den meisten Sprichwörtern ist nun die spätere Bedeutung des Wortes herrschend; der ursprüngliche Sinn hat sich besonders in den Redensarten erhalten.


*27. Das Elend schlägt ihm unter die Augen. Grimm, III, 408, 9.

D.h. die Fremde, wie man jetzt sagt: Es fährt ihm manch scharfer Wind ins Gesicht.


*28. Das trunkene Elend weinen.Eiselein, 144.


*29. Einen ins Elend jagen (treiben).Grimm, III, 408d.

Aus der Heimat vertreiben, in die Verbannung schicken. So heisst auch aus dem Elende heimkehren, aus der Fremde, der Verbannung wieder in die Heimat, ins Vaterland kommen.


*30. Er kann sein Elend auf keinem Berge überschauen.

Die Czechen sagen: Er ist ans Elend gewöhnt, wie der Zigeuner an den Galgen. (Reinsberg V, 51.)


[806] *31. Er vergass sein Elend, weil er sich betrunken, aber am nächsten Morgen fand er frisch Elend und Sorgen. (Lit.)


*32. Im Elende sein.Grimm, III, 407c.

In der Fremde, in der Verbannung leben.


*33. Im lustigen Elend leben.Eiselein, 144; Nopitsch, 67.

Soldat sein.


*34. Ins Elend gehen.Grimm, III, 307b.

D.h. in die Fremde, die Verbannung.


*35. Nu sleit Elend sin Trommel. (Holst.)

Das Elend, die Noth ist nun aufs höchste gestiegen, es schlägt gleichsam die Lärmtrommel.


*36. O Elend, blecks Fidle. (Rottenburg.)

Herausfordernder Spottruf gegen den zerlumpten Fastnachtputzen mit seinem gefürchteten Kothsäcklein.


*37. O Elend, mach's Haus zu. (Nürtingen.)


*38. O Elend und kein End'. (Nürtingen.)


[807]

39. Der hat noch nicht ellend vnd not, so etwan muss essen schimlig brot, vnd fleisch so yetz anhebt zu stincken, auch seigern wein darzu trincken.Loci comm., 157.

Lat.: Non miser est hic mas, cuius in saepe coquina mucidus est panis, caro rancida, pendula uina. (Loci comm., 157.)


*40. Besser im Elend sterben, als einem Feinde (Fremden) seine Noth offenbaren.Wirth, II, 293.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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