Falke

1. Auch ein sterbender Falke richtet seine Augen noch auf den Fang.Burckhardt, 159.


2. Aus einem Falken kann man keinen Sperber machen.


3. Dass ist ein böser Falck, der etwas zu fahen aussgeflohen vnnd nicht widerkompt. Lehmann, 403, 30; Eiselein, 159.


4. Den Falken schreckt das Geschrei des Kranichs nicht.Burckhardt, 602.

Die Grösse thut's nicht, sondern Kraft und Muth thun es.


5. Der Falke fliegt hoch, aber nicht über die Sonne.

Ruth.: Sokol wysze solnca ne litaje. (Wurzbach I, 113.)


6. Der Falke fliegt mit Federn, aber nicht mit seinem Fleische.

Die Körpermasse thut's nicht.

Russ.: Sokol perjem letit, a ne mésom. (Wurzbach I, 458.)


7. Der Falke ist kahl – und doch bläht er sich.


8. Ein Falk, der zu schnell schiesst, wird vom Reiher gespiesst.Scheidemünze, II, 124.


9. Ein Falke schläft nicht eher, bis er satt ist. Scheidemünze, I, 971.


10. Ein furchtsamer Falk beizt keinen Reiher. Scheidemünze, II, 124.


11. Es ist ein armer Falke, der zu Fuss nach Futter geht.

Mhd.: Des falken dinc niht rehte stât, swenn er ze fuoz nâch spîse gât. (Freidank.) (Zingerle, 31.)


12. Falken fängt man nicht mit leeren Händen.


13. Falken ist der Landesfürsten Weidwerk. Graf, 131, 393; Normann, Wend.-rugianischer Landbrauch, 217, 73.


[919] 14. Falken und Tauben muss man nicht zusammenthun.

Mhd.: Swer valken vn hebich ze tube tvt vnd wolfe ze schafen, daz ist nicht gvt. (Trymberg, Renner.)


15. Frühe Falken, frühe Eulen.

Von Kindern, die frühzeitig klug sind und dann recht wenig Klugheit merken lassen; »wo das Wunder entflieht und das Kind bleibt«.


16. Mancher entfleucht dem Falcken vnnd wird hernach von einer Spirnetz gefressen. Lehmann, 245, 33.


17. Mancher entfleucht dem Falken und wird vom Sperber gehalten.Simrock, 2247.


18. Solang der Falke lebt, trägt man ihn auf Händen und das Huhn geht auf dem Mist; so aber der Falke todt ist, kommt er auf den Mist und das Huhn auf den Tisch.Eiselein, 159.


19. Von einem Falken kommt ein Falk.Petri, II, 580; Henisch, 956.


20. Wenn der Falke was getaugt hätte, wär' er den Jägern nicht entkommen.Burckhardt, 581.

Von denen, die ihre Sicherheit ihrer niedern Stellung, ihrer Unbedeutendheit verdanken.


21. Wenn eins kein Falken hat, muss es mit Heueln1 baizen, sagte das Mädchen zum Klosterschmied von Zwiefalten, der eine alte Frau hatte.Klosterspiegel, 27, 16; Hoefer, 681; Eiselein, 158.

1) Uhu, Huwhu, Hüwel. Vom Geschrei huhu. Weil dieser Vogel aber straubig aussieht, so bezeichnet Hüwel auch eine Person mit ungekämmten Haaren, spottweis und zweideutig auch das Toupé. (Vgl. Stalder, II, 67.)


22. Wenn man dem Falken den Kropf zu voll stopft, so jagt er nicht.


23. Wenn man nicht Falken hat, muss man mit Eulen beizen.Simrock, 2246.

Wenn es nämlich gebeizt sein muss.

Dän.: Hvo der haver ikke falke, skal bede ugler. (Prov. dan., 153.)


24. Wer Falken dressiren will, zieht ihnen Kappen über die Köpfe.


*25. Auf Falken ausgehen und Eulen fangen.

Holl.: Op valken jagen, en uilen vangen. (Harrebomée, I, 357.)


*26. Den Falken streichen.Grimm, III, 1270.

Für schmeicheln, und, wie Grimm a.a.O. ausdrücklich bemerkt, kein Schreibfehler für das gleichbedeutende: den Falben oder auch den Fuchsschwanz streichen. Man findet bei Hans Sachs wiederholt: »Und muss den falken künnen streichen. Er kont den falken gar wol streichen.«

*27. He mênde, he har dar en Falken fangn. Eichwald, 469.


*28. Mit einem todten Falken beizen.

»Die Papisten schrien einander zu, sie müssten mit dem Kaiser wie mit einem todten Falken beizen.« (Luther, VIII, 275.)


[Zusätze und Ergänzungen]

29. Ain falck vnd ain wind vahren von rechter stolzkait; ain plawfukz vnd ain iagdhund von des pfna ... wegen; ain habich vnd ain rüd von zornes wegen; ain sperber vnd ain vogelhund von lieb wegen irer herren. Haltaus, Liederbuch, LXIX, 2, 15.


30. Dem Falken gehört die Welt.Spindler, Jude, III, 131.


31. Der Falk soll nie auf einem Finkenneste horsten.Spindler, Jude, III, 102.


32. Ein tüchtiger Falk, ein guter Hund, ein schnelles Pferd sind mehr als zwanzig Frauen werth.

Sprichwort der Beduinen. (Erwähnt in einem Vortrage von Dr. Brehm im Februar 1849 in Breslau.)


[1246] 33. Wer valken vnd hebich ze tuben tvt vnd welfe ze schafen, daz ist nicht gvt.Trimberg, Renner.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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