Leiden (Subst.)

Leiden (Subst.).


1. An überstandene Leiden erinnert man sich gern.Eiselein, 419.

Lat.: Meminisse laborum suave qui servatus est. (Eiselein, 419.)


2. An überwundene Leiden denkt man mit Siegesfreuden.

It.: Quel che fù duro a patire, è dolce a ricordare. (Pazzaglia, 266, 3.)


3. Das ist das Leiden in der Welt, der eine hat den Beutel, der andere das Geld.


[17] 4. Das leiden ist heylig, wers kent.Franck, I, 139a; II, 122b; Gruter, I, 11; Schottel, 1142a; Simrock, 6320; Körte, 3759 u. 4725.


5. Das Leyden, Creutz, böss Weib vnd Sünd, wern offtmals gut, wenn mans verstünd. Eyering, I, 332.


6. Dat es wahret Lüden, wenn't Vigoolke nich geit. (Mockrau bei Graudenz.)

Es ist seht unangenehm, wenn eine Sache nicht gelingt, wenn etwas keinen guten Fortgang hat. Vigoolke = Violinchen.


7. Dat is'n Leiden vör de Ogen, wenn dat Rad äwer de Näs geht. (Greifswald.)


8. Dat 's 'n Leiden, säd' Fehlmann, kün'n Vrack nich ankrêg'n un sêt mit beid' Arm all dôrin.Hoefer, 269a.


9. Dat 's 'n Leiden, säd' Fehlmann, künn'n Vrack nich ankrieg'n, un härr kênen.Hoefer, 269.

Die französischen Neger: Die Kröte hat kein Hemde und soll Unterhosen tragen. (Reinsberg IV, 4.)


10. Durch viel Leiden zu den Freuden.Gaal, 1082.

Frz.: Les pleurs sont suivis de joie. – La joie succède aux pleurs. (Gaal, 1082.)

Lat.: Per aspera ad astra. (Philippi, II, 90.)

Ung.: Keserüs a' türes, de édes a gyümölcse. (Gaal, 1082.)


11. Ein böss Leiden ist besser denn zwey.Petri, II, 255.


12. Ein Leiden löst das andere ab.

Böhm.: Bída se bídou potkává. – Hoře za hořem, bídy za bídami. – Jedna bída za druhou. – Jedna tĕžkost druhou stíhá. (Čelakovský, 181.)

13. Erst die Leiden, dann die Freuden.Parömiakon, 909.


14. Es ist ein (grosses) leiden, förchten, das du nit kanst meiden.Franck, II, 158b; Gruter, III, 32; Lehmann, II, 141, 148 u. 154, 126; Petri, II, 261.

Lat.: Crux est, si metuas, vincere quod nequeas. (Philippi, I, 99.)


15. Es ist kein grosser leiden, denn mit einem bösen Weibe beladen seyn.Petri, II, 267.


16. Es ist kein süsser leiden, dann hoffen. Franck, II, 140a; Egenolff, 375b; Gruter, I, 35; Petri, II, 270; Lehmann, 396, 25; Lehmann, II, 312, 25; Sutor, 915; Schottel, 1141b; Eiselein, 317; Simrock, 4870; Körte, 2911.

Lat.: Spes miseria est dulcissima. (Sutor, 913.)


17. Gemeinsam Leiden macht die Bürde leichter.

Böhm.: Společné utrpení, společné potĕšení. (Čelakovský, 159.)


18. Im leiden fro, wers kan, der thu also.Petri, I, 60.

Denn, sagen die Portugiesen, im Leiden und Enthalten ist aller Sieg enthalten. (Reinsberg II, 135.)

19. Im leyden still, wer weiss, wie langs Got haben will.Gruter, III, 54; Lehmann, II, 282, 33.


20. In leyden Gedult ist besser dann Golt.Gruter, III, 56; Lehmann, II, 284, 51.


21. Leiden führen zu Gott.

It.: La tribolazione deve essere sprone al bene. (Pazzaglia, 380, 1.)

Lat.: Calamitates erudiunt et modestiores reddunt. (Philippi, I, 68.)


22. Leiden gehen vor den Freuden, Schmerzen vor den Scherzen, Glut vor Gut, Schuss vorm Kuss, Streich vorm Himmelreich. Parömiakon, 1100.


23. Leiden müssen sein, sonst geht man nicht in den Himmel ein.Parömiakon, 2987.


24. Leiden sigt.Franck, I, 103a; Lehmann, II, 373, 55.


25. Leiden sind mehr als Freuden.

Frz.: La peine passe le plaisir.


26. Leiden und Steine helfen verdauen.

Der Hühnermagen bedarf zur Verdauung kleiner Steine; der menschliche würde sich dafür gern mit Wein begnügen.


27. Leiden währt nicht immer, Ungeduld macht's schlimmer.Müller, 21, 2; Simrock, 6315; Eiselein, 419; Steiger, 331; Körte, 3760; Braun, I, 2222.


28. Mit kleinem Leiden kan man offt ein gross Vnglück meiden.Petri, II, 478.


29. Mit leiden vberwint man all vnglück. Franck, I, 103a.

»Vnd mit vernunft komt man jhm vor«, ist bei Schottel (1125b) beigefügt.


[18] 30. Nach Leiden kommen Freuden.Parömiakon, 3128 u. 3131.

Engl.: Of sufferance comes ease. (Bohn II, 135.)


31. Schlafende Leiden weckt man nicht gern.


32. Schwere Leiden haben keine Worte.

Lat.: Tacere multis discitur vitae malis. (Seneca.) (Philippi, II, 209; Binder I, 1711; II, 3268.)


33. Selten wird seines Leidens rath, der ein böss Weib genommen hat.Petri, II, 520.


34. Ueberstandener Leiden gedenkt man gern. Simrock, 6318; Reinsberg II, 138.

Die Tamulen: Man empfindet die Annehmlichkeit des Schattens, wenn man aus der Sonne kommt. (Reinsberg II, 138.)

Lat.: Forsan et haec olim meminisse juvabit. (Virgil.) (Binder I, 1272; II, 2363; Kruse, 335; Philippi, I, 159.)


35. Verborgene Leiden sind doppelt schwer.

Lat.: Heu mihi, difficile est imitari gaudia falsa; difficile est, tristi fingere mente jocum. (Tibull.) (Philippi, I, 175.)


36. Wer ein Leiden fürchtet, der leidet doppelt.

Frz.: Qui craint de souffrir, souffre de crainte. (Bohn II, 19.)


37. Wer sein Leiden selbst verschuldet, beklagt sich mit Unrecht.

Dän.: Det er ikke uret at en lider det han haver selv giort, ei heller bør man herover at klage sig. (Prov. dan., 385.)


38. Wer sich ins Leiden schicken kann, den wird die Hoffnung nicht verla'n.Seybold, 436.

Lat.: Perfer at obdura, dolor hic tibi proderit olim, saepe tulit lassis succus amarus opem. (Ovid.) (Binder I, 1350; II, 2548.)


39. Wo keine Leiden, da ist auch kein Gebet. (Lit.)


40. Wo Leiden nicht bessern, da verschlimmern sie.


*41. Du hast das haimlich Leiden. – Agricola II, 295; Tappius, 233a; Egenolff, 144b; Eyering, II, 259.

Agricola versteht darunter stille ertragene, uneröffnete, vielleicht auch unerwiderte Liebe. Tappius dagegen erklärt es durch Scabitudo und fügt in diesem Sinne das lateinische Sprichwort bei: Herculanam habes scabiem. (Tappius, 232b; Egenolff, 144b.)


*42. Er hat das Leiden im Beutel.Herberger, I, 250.


*43. Ik bin min Liden nig bekannt.Dähnert, 277b.

Ich verschweige mein Unglück.


[Zusätze und Ergänzungen]

44. Das Leiden selber ist ein Arzt.Sanders, 4.


45. Dat is 'n Lêden, söä' Fehlmann, un treckt 'n Rock verkiehrt an.Schlingmann, 410.


46. Fremde Leiden erleichtern die eigenen.

Lat.: Quae mala cum multis patimur leviora videntur. (Philippi, II, 117.)

47. Ist lyden froligkeit, so ist bei myr kein trurigkeit.Weinsberg, 31.


[1549] 48. Man darf seine Leiden und Plagen nicht allen Leuten sagen.Devisenbuch, 76.


49. 'T is 'n Leiden, söä' Lemke, doa kunn 'r sin Frû in 't Bedd ne finnen.Schlingmann, 930.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3. Leipzig 1873.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Raabe, Wilhelm

Der Hungerpastor

Der Hungerpastor

In der Nachfolge Jean Pauls schreibt Wilhelm Raabe 1862 seinen bildungskritisch moralisierenden Roman »Der Hungerpastor«. »Vom Hunger will ich in diesem schönen Buche handeln, von dem, was er bedeutet, was er will und was er vermag.«

340 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon