Religion, die

[1081] Die Religiōn, plur. die -en, aus dem Lat. Religio, und dieß von religare, binden.

[1081] 1. In der weitesten Bedeutung, in welcher es im Lateinischen mehrere Arten von Verbindlichkeit bedeutet, welche aber im Deutschen nicht gangbar sind. Doch gehöret dahin die in der Römischen Kirche übliche Bedeutung, wo die kirchlichen Orden zuweilen Religionen genannt werden, welcher Gebrauch doch auch im Lateinischen und Italiänischen am üblichsten ist. Indessen pflegt man den Maltheserorden in Deutschen Schriften wohl auch zuweilen die Religion von Maltha zu nennen, wo es einen durch gewisse Regeln und Gesetze eingeschränkten Stand bedeutet. Daher stammet das auch im Deutschen übliche der Religiose, eine Ordensperson, statt des niedrigern Mönch.

2. In engerer Bedeutung, dasjenige, was die Menschen so wohl unter einander als auch zugleich mit Gott verbindet; wo es in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Objective, die Art und Weise der Verehrung Gottes, der auf gewisse Wahrheiten von Gott gegründete Dienst desselben. Die heidnische, die Jüdische, die Mahomedanische, die christliche Religion, welche man die vier Haupt-Religionen zu nennen pflegt. Auch besondere Arten dieser Haupt-Religionen bekommen zuweilen den Nahmen der Religion. Die katholische, die Lutherische, die reformirte Religion. Von seiner Religion abfallen. Die Religion ändern. Einerley Religion haben. Sich zu keiner Religion bekennen. Eine andere Religion annehmen. Die wahre Religion, im Gegensatze einer falschen. Die natürliche Religion, im Gegensatze der geoffenbarten. In engerer Bedeutung verstehet man unter der Religion schlechthin oft die geoffenbarte christliche Religion. Man hat der Moral der Religion den Vorwurf gemacht, daß sie die Freundschaft nicht gebiethe, Gell. 2) Subjective, die dieser Art und Weise der Verehrung Gottes gemäße Gesinnung, das darin gegründete Verhalten; ohne Plural und nur in einigen R.A. Ein Mann ohne Religion, der sich zu keiner Religion bekennet, der sich von der Wahrheit keiner Religion überzeugen kann. Viel Religion haben, die Religion, zu welcher man sich bekennet, eifrig ausüben.

Anm. Ehe man dieses Wort aus dem Lat. entlehnte, hatte man andere jetzt veraltete Ausdrücke, die Religion zu bezeichnen. Raban Maurus nennet sie Ehafti, und Notker Ehalti, von E, das Gesetz, und haften, halten, verbinden; Notker Wolunga, und einer der Schwäbischen Dichter Godes Reht.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1081-1082.
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