Tod, der

[612] Der Tod, des -es, plur. inus. 1. Eigentlich, das Ende des natürlichen oder thierischen Lebens, der Zustand und der Zeitpunct der Trennung der Seele von dem Leibe, welcher in der Theologie der zeitliche, leibliche oder natürliche Tod genannt wird, um ihn von dem folgenden geistlichen und ewigen zu unterscheiden; im Gegensatze des Lebens. Sich vor dem Tode fürchten. Jemanden von dem Tode erretten. Jemandes Tod beweinen. Von dem Tode übereilt werden. Ein herrlicher Tod, nicht auf dem Rosenbette der weichlichen Muße, nicht gleichgültig dem Vaterlande, noch unberühmt bey den künftigen Enkeln. Der natürliche Tod, auch im Gegensatze eines gewaltsamen. Eines natürlichen Todes sterben, aus erschöpfter Lebenskraft. So auch eines gewaltsamen, schmähligen, schrecklichen, plötzlichen Todes sterben. Welche Wortfügung des Zeitwortes sterben mit der zweyten Endung dieses Hauptwortes alsdann richtig ist, wenn die Todesart ausgedruckt werden soll. Das biblische des Todes sterben aber, für sterben, oder den Tod leiden, ist ein Hebraismus. In der dichterischen Schreibart drückt man die Art und Weise auch mit der vierten Endung aus. Den Tod fürs Vaterland sterben. Den Tod der Helden, den Tod der Sünder sterben. – Dem Tode unerschrocken entgegen gehen. Todes verbleichen, verfahren, im Oberdeutschen und in der feyerlichen Schreibart der Hochdeutschen, für sterben. Mit Tode abgehen, ehedem Todes halber abgehen, ist im Hochdeutschen für sterben völlig gangbar. Ich bin des Todes, ich möchte mich zu Tode erschrecken, verwundern, ärgern u.s.f. Ich wäre des Todes, wenn er es wüßte. Ich möchte vor Ärgerniß des Todes seyn. Noch bin ich des Todes für (vor) Schrecken, Zachar. Auf den Tod darnieder liegen, sterbenskrank, oder[612] todtkrank seyn, auf den Tod liegen. Mit dem Tode ringen. Für jemand in den Tod gehen. Die Krankheit ist nicht zum Tode, nicht gefährlich. Der Tod sitzt ihm schon auf der Zunge, er ist dem Tode nahe. Sich zu Tode trinken, arbeiten, lachen, grämen u.s.f. Man möchte sich darüber zu Tode, oder todt lachen. Das ist mir bis in den Tod, oder in den Tod zuwider, im höchsten Grade.

Es ist eine sehr alte und gewöhnliche Figur, den Tod als ein für sich bestehendes Wesen zu betrachten, welche so wohl im gemeinen Leben als in der höhern Schreibart sehr gewöhnlich ist. Der Tod läuft mir übers Grab, sagt man, z.B. wenn man einen plötzlichen Schauer empfindet, ohne dessen Ursache zu wissen.

Das Wort Tod wird in allen diesen Fällen entweder überhaupt von dem Ende des thierischen Lebens, oder von diesem Zustande bey einzelnen Personen gebraucht. In dem letzten Falle sind von vornehmen Personen und in der feyerlichen Schreibart, Todesfall, Absterben, Ableben, tödtlicher Hintritt u.s.f. üblicher.

Alle obige Arten des Ausdruckes sind von dem natürlichen Tode, und dem meisten Theile nach von diesem nur allein üblich. Auf einen gewaltsamen Tod beziehen sich folgende. Jemanden den Tod zuerkennen, ihn zum Tode verurtheilen, zur gewaltsamen Beraubung des Lebens. Jemanden zum Tode führen, begleiten, zur Hinrichtung. Den Tod leiden, erdulden, ausstehen. Jemanden den Tod anthun, wofür doch hinrichten üblicher ist. Sich selbst den Tod anthun, sich gewaltthätiger Weise um das Leben bringen. Jemanden vom Leben zum Tode bringen, nach Urtheil und Recht hinrichten. Auf den Tod gefangen sitzen, oder nur schlechthin, auf den Tod sitzen. Den Tod verdienet haben.

2) Figürlich ist in der Theologie der geistliche Tod, die Beraubung des geistlichen, und der ewige Tod, die Beraubung des ewigen Lebens.

3) Im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes wird der verdorrete Überrest der ehemahligen Blüthe an den Äpfeln und Birnen, der Tod genannt, welches Wort von dem Niedersächsischen doen, sterben und vertrocknen, abdoen, abdorren, abstammet.

Anm. 1. Ungeachtet der Plural bey andern ähnlichen Wörtern, besonders von mehrern Arten, nicht ungewöhnlich ist, so klingt er hier doch allemahl vorzüglich fremd und widerwärtig, so oft er von einigen gewagt worden. Nicht deine brüllende Tode schrecken mich, Schlacht, Klopst. Alle Tode der Kinder Adams zu sehen, ebend. Luther machte ihn irrig Töde; ich wollte eher zehn Töde leiden.

Anm. 2. Bey dem Ulphilas Dauths, im Isidor Dodh, bey dem Kero Tod, bey dem Ottfried Doth, im Nieders. Dood, im Angels. und Engl. Death, im Schwed. Död, im Isländ. Daud. Es stammet von dem im Hochdeutschen veralteten Zeitworte toen, toden, sterben her, welches noch im Nieders. und allen damit verwandten Sprachen gangbar ist; Nieders. doen, Dän. doe, bey dem Ottfried douen, im Angels. dydan, im Engl. die, bey dem Ulphilas gadauthnan; wovon noch unser Factitivum tödten, sterben machen, abstammet, dagegen das Griech. θυειν, und das Franz. tuer, gleichfalls eine thätige Bedeutung haben. In einigen Niederdeutschen Gegenden wird der Tod, so fern er als ein für sich bestehendes Wesen betrachtet wird, der Hel genannt. (S. Hölle,) daher ist daselbst Helheß, das dreybeinige Pferd, worauf der Tod bey Pestzeiten herum reiten soll.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 612-613.
Lizenz:
Faksimiles:
612 | 613
Kategorien: